Am Wasser entlang wandern in Belgien

Wanderung durch das Hohe Venn (Naturzentrum Botrange)

Spontan übers Wochenende wandern gehen und dafür nicht weit fahren. Wer sich dieser Herausforderung im Raum Köln stellt, der wird sehr schöne Wandertouren in der Eifel, dem Bergischen Land oder auch am Niederrhein finden. Innerhalb von nur etwa einer Stunde Fahrt erreicht man dort Fernwanderwege als auch Tagestrips, die einem die gewünschte Auszeit von der Stadt bescheren. Eine Extraportion Urlaubsgefühl gibt es oben drauf, wenn man nur eine Stunde länger, also 2 Stunden Richtung Belgien fährt. Dort erreicht man nämlich die Wallonie, den südlichen und gleichzeitig französischsprachigen Teil Belgiens, welchen man ganz hervorragend auf Schusters Rappen erkunden kann. Ob wandern in den Ardennen oder durch das Hohe Venn… hier ist Abwechslung und das Gefühl noch weiter weg vom Alltag zu sein garantiert.

Die Wallonie ist neben Flandern und Brüssel die südlichste Region des belgischen Königreiches. Neben der französischen Amtssprache, spürt man auch ein Hauch von Frankreich ebenfalls in der Art der Menschen, der verspielten Architektur und ganz besonders beim Essen. Alleine dadurch hat man dort schnell das Gefühl im Ausland zu sein, obwohl die Wallonie gerade mal etwa zwei Stunden vom Rheinland entfernt ist, weniger als Berlin oder München! Die Menschen sind entspannt, „gemütlich“ wie sie selbst von sich sagen.

Märchenhaftes Moor im Hohen Venn

Wanderung durch das Hohe Venn (Naturzentrum Botrange)

Jedes Land hat seine ganz eigene, besondere „Wanderperle“. In Belgien ist es aus meiner Sicht definitiv das Hohe Venn. Diese unberührte Moorlandschaft kenne ich in der Form und Weite nur aus den Torfgebieten Irlands. Auf einer Gesamtfläche von 4.500 Hektar erstreckt sich das größte zusammenhängende Hochmoor Europas im Osten Belgiens, an der Grenze zur Eifel. Auf zahlreichen Wanderwegen lassen sich die besondere Flora, Fauna und Geschichte des Hochmoors erkunden. Mitten durch das Kerngebiet des Wallonischen Venns, läuft man geschützt auf Holzstegen, wie zum Beispiel auf den Rundwanderwegen um die Baraque Michel.

Einen besonders guten Ausgangspunkt bietet das Naturzentrum in Botrange, dem höchsten Punkt Belgiens mit 694 Metern. Hier kann man sich über jegliche Arten von Touren informieren, sich am Kamin wären oder sogar ein E-Bike mieten. Außerdem ist es ratsam, und durchaus empfehlenswert, eine geführte Wandertour zu buchen, wenn man bestimmte Bereiche des Hohen Venns erkunden und etwas dazu lernen möchte. Das Schutzgebiet ist nämlich in 4 Zonen unterteilt (A bis D), die nicht alle öffentlich zugänglich sind. Unsere Tour von der Baraque Michel aus, begleitet Naturführer Erwin Legros. Man kann ihn kaum besser beschreiben als ihn live zu erleben, so passioniert und voller Wissen führt er uns knapp 3 Stunden durch die moorige Landschaft. Zu jedem Kraut weiß er einen Namen, zu jedem Ort eine Geschichte. Diese einzigartige Bereicherung sollte man nicht verpassen sollte, wenn man eine Wanderung in der Region plant.

Wanderung durch das Hohe Venn (Naturzentrum Botrange)

Wer trotzdem auf eigene Faust durch das Hohe Venn ziehen möchte, der kann sich bestens auf der Website von Ostbelgien informieren. Hier werden Infos zu den Wandertouren, Fernwanderwegen aber auch Tipps für Anreise und Unterkunft gebündelt. Sehr praktisch ist der digitale Wanderroutenplaner, mit dem man bequem individuelle Routen zusammenstellen und ausdrucken oder mit der dazu passenden App öffnen kann. Gut zu wissen: die App nutzt OpenStreetMap, so dass man beim wandern keine Internetverbindung braucht. Für alle, die es etwas schneller mögen, bietet Ostbelgien außerdem ein sehr gutes Netz an Fahrradwegen. Neben dem 850 km langen VeloTour-Radwegenetz, gibt es den 125 km langen Bahntrassenweg „Vennbahn“, welcher kürzlich als „Rausstrecke des Jahres 2014“ gekürt wurde, so kann man hier an einem Stück ungestört durchradeln.

Im „Tal der Feen“ der belgischen Ardennen

Wanderung durch die Ardennen ("Tal der Feen")Nicht ganz so aufregend wie das Hohe Feen, aber durchaus interessant, ist die Wanderung durch das „Tal der Feen“ in den Ardennen Belgiens. Typisch für das Gebirgsplateau im Südosten Belgiens, verläuft auch diese Wanderung durch eines der Flusstäler, ausgehen von dem kleinen Örtchen Achouffe. In Form einer Acht, kann man auf insgesamt 11,5 km (etwa 4 Stunden Zeit) die liebliche und von Flüssen durchzogene Landschaft erkunden. Start- und Endpunkt ist der Parkplatz der regionalen Brauerei d’Achouffe, die man ebenfalls besichtigen und dessen gleichnamiges Bier probieren kann. Die Wanderungen selbst läuft sehr ursprünglich quer durch die Natur. Wer ordentliche Wanderwege wie in Deutschland gewohnt ist, wird hier etwas improvisieren müssen. Die Wegmarkierungen sind nicht immer deutlich, und wie sich versteht, nur auf Französisch; die Wege oft matschig, so dass man sich selbst eine Überquerungsmöglichkeit suchen muss. Abenteuer und „Natur Pur“ für die Einen, etwas unbequem und irritierend für die Anderen.

Dass wandern in der Wallonie unmittelbar mit „Genuss“ verbunden ist, habe ich immer wieder auf unseren Touren erlebt. Wer neben dem wandern gerne einkehrt und schlemmt, der wird hier auf seine Kosten kommen. Der Wallone ist gewohnt morgens eher wenig zu essen, dafür abends um so üppiger oder zur Einkehr nach einer Wanderung. Dazu dann ein typisch belgisches Bier (insgesamt gibt es etwa 1000 Sorten weltweit) und die Genusstour ist perfekt. Auf der Speisekarte findet man, neben dem einfachen Klassiker Fritten, eine große Auswahl an regionaler Küche und Fleischspezialitäten. Für mich als Vegetarier eher schwierig. Selten gibt es eine Auswahl an alternativen, fleischlosen Gerichten und auch das umstellen der Zutaten kann den ein oder anderen Küchenchef überfordern. Da kann das Bestellen zum Überraschungspaket werden, was (neben dem Ärgernis) auf jeden Fall zu einem Lacher in der Gruppe führt.

Rustikal bis luxuriös: wohnen im Ferienhaus

Eines der Ferienhäuser von Ardennes Etappe (Nähe Vielsalm)Eine der besten Möglichkeit in Ostbelgien unterzukommen ist mit Sicherheit das mieten eines Ferienhauses. Besonders viel Abwechslung, von rustikal bis luxuriös, findet man bei Ardennes Etape. Das belgische Unternehmen arbeitet direkt mit den Hauseigentümern vor Ort zusammen und bietet von einfachen Chalets über Cottages auch Luxusvillen und Schlösser. Auch wenn es verführerisch ist mal in einem Schloss zu thronen, passt zu einem Wanderurlaub dann doch besser die rustikale Behausung. Hier findet man bei Ardenne Etape tatsächlich das ein oder andere Schätzchen. Wie zum Beispiel das alte Brotbackhaus aus dem Jahr 1860 in der Nähe von Vielsalm. Der Besitzer lies es nach der Zerstörung des Dachstuhls im 2. Weltkrieg liebevoll restaurieren und bewahrte dabei den alten Brotbackofen, der heute als Kamin genutzt wird. Die Wände sind auf traditionelle Weise mit Lehm verputzt; im ganzen Haus riecht es nach würzigem Holz. Unschlagbar ist der Preis: für 34 € pro Übernachtung lässt sich das Bauernhaus (in der Nebensaison) mieten. Ist bei mir persönlich schonmal vorgemerkt.

Wer nach etwas Abwechslung für einen Wochenendausflug im Raum Köln sucht und französisches Flair mag, dem kann ich die Wallonie sehr empfehlen. Ausgefallene Unterkünfte (wie das oben beschrieben Brotbackhaus) findet man dort der Reihe nach, besonders günstig in der Nebensaison. Voraussetzung für einen Urlaub in der Region ist allerdings das Beherrschen der französischen Sprache, zu mindest Grundkenntnisse. Ohne wird es schwer Ortsschilder zu lesen oder sich mit den Menschen vor Ort zu verständigen, so wird selten Englisch und nur im östlichen Teil Deutsch gesprochen. Anders als in Frankreich nimmt es hier einem niemand krumm, wenn man der Landessprache nicht mächtig ist. Dann wird eben improvisiert.

Noch mehr Fotos der Tour habe ich hier zusammengestellt:
Fotoalbum „Wallonie“ (Belgien) bei flickr (47 Fotos)

 

Belgien TourismusVielen Dank an den Belgien Tourismus für die Einladung zu dieser Wander- und Genussreise in der Wallonie. Ein besonderes Dankeschön außerdem an Ardennes Etape für die Unterkunft in einer der luxuriösen Ferienhäuser.

Daniela Klütsch

Hinter Landlinien steckt vor allem das Gesicht von mir, Daniela Klütsch. In meinem Blog Landlinien möchte ich über jene Routen berichten, die ich selber bereist habe. Den Anstoß zu diesem Blog gab mir das Buch „100 legendäre Reiserouten“ und meine Tour auf dem Jakobsweg Anfang 2009. Seitdem schreibe ich hier über das Reisen und Wandern in der Natur. Was mich neben Landlinien sonst beschäftigt, hier mehr über mich.

Kommentare (8) Schreibe einen Kommentar

  1. Pingback: Wandern in Belgien: Durchs Tal der Feen um die Brauerei Achouffe

  2. Schöner Bericht… Das Ferienhaus sieht ja supergemütlich aus. Macht mir Lust auch die Belgische Seite der Ardennen mal näher zu erkunden. Bin gerade zurück von einem Kurztrip auf die Französische Seite.

  3. Danke Christian! Das lohnt sich auf jeden Fall, wobei ich das Hohe Venn ganz besonders schön fand. Und das Ferienhaus im Bachstuben-Stil war natürlich ein Traum.

  4. Pingback: Warum Ihr ein Ferienhaus in Belgien mieten solltetReisezeilen

  5. Das sieht ja super aus! Danke für den Tipp mit dem Brotbackhaus, das sieht ja wirklich nach einer Perle aus 🙂
    Ich bin auch gerade erst von einem Wanderurlaub zurück und könnte gleich schon wieder los, wenn ich deine Fotos sehe!

  6. Schön, dass Dich meine Fotos zu neuen Reisen motivieren 🙂

    Das Brotbackhaus war wirklich was ganz besonderes. Mich persönlich würde jetzt interessieren ob es noch mehr Häuser in der Art dort gibt. Aber das lässt sich ja rausfinden bei neuen Reisen.

    Wo warst Du denn zuletzt wandern?

  7. Pingback: Hohes Venn - Wandern in Belgien Reisezeilen

  8. Pingback: Auf den Spuren von Mystik und Natur in Belgien | Landlinien Outdoor-Reiseblog

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