Tag 10 – Auf dem Hügel alter Zeiten

Auf dem Hügel alter Zeiten

Lizard – Coverack (17 km, 6 Stunden) Nach einem sehr köstlichen Frühstück, starte ich heute Morgen meine Tour recht früh und erholt. Der eine Tag hier in Lizard hat mich nun endgültig ankommen lassen und mir die gewünschte innere Ruhe verschafft. Im Supermarkt, der schon seit 7 Uhr 30 geöffnet ist, decke ich mich mit Obst, Sandwiches und Schokolade ein. Weiter brauche ich, was das Essen angeht, noch nicht zu denken, da ich heute Abend im Hostel von Coverack wieder bedient werde. Auf dem Weg runter zur Küste, strahlt mir die Sonne erneut entgegen. Zwar liegen auf der heutigen Strecke gute 17 Kilometer vor mir, aber laut Recherchen im Internet ist dieser Streckenabschnitt einfach.

Von wegen! Von Lizard bis Cadgwith geht es für zwei Stunden permanent hoch und runter. Und das bei der Hitze.

Keine Frage: die Landschaft ist nach wie vor traumhaft schön, der Blick zurück Richtung Lizard ein Geschenk. Doch komme ich ganz schön geschafft in Cadgwith an. Obwohl es schon 11 Uhr ist, scheint das kleine Fischerdörfchen noch zu schlafen. Im Hafen lasse ich mich nieder und beobachte bei einer zweiten Frühstückspause die Fischer. So wie ich meinen Tag gerade starte, scheinen die Fischer diesen zu beenden. In ihren Gummistiefeln ziehen sie ein Boot nach dem anderen aus dem Wasser in den Hafen. Alte, rostige Ketten werden dabei über Gewinde gedreht. Erschöpft lasse ich mich von diesem fast meditativen Treiben mitziehen. Ab Cadgwith wird es, nach einem steilen Anstieg auf die Klippen, tatsächlich etwas flacher. Obwohl ich mich keinesfalls über das schöne Wetter beschweren will, macht es mir das Laufen nicht besonders leicht. Der Nacken schmerzt vom Gepäck auf dem Rücken. Auch auf der Strecke scheine ich auch die einzige zu sein, die ihr ganzes Hab und Gut mit sich schleppt. Ich sehe sonst nur Tagesrucksäcke. Zu einer weiteren Pause lädt mich der Strand von Kennack Sands ein. Einsam und ruhig liegt er, als plötzlich ein kleiner dicker Hund um die Ecke gerannt kommt und die Wellen anbellt. Wie ein Wahnsinniger rennt er der Strand auf und ab, bleibt stehen und bellt lauthals. Fehlt nur noch eine orange Boje und wir hätten einen neuen Kandidaten für Baywatch. Das restliche Stück bis Coverack läuft sich recht einfach und zügig. Die Aussicht darauf mein Gepäck abzugeben und in Flipflops zu wechseln, erhöht mein Tempo. Der Blick für meine Umgebung geht dabei aber nicht verloren. An der Flora kann ich bereits erkennen, dass ich ein ganzes Stück weiter im Land gekommen bin. Der Boden ist nicht mehr karg und steinig, sondern weich und moosig. Am Wegesrand blühen Rhododendron in den verschiedensten Farben und strahlen mich an. Auch nach Coverack rein geht es durch ein grünes Wäldchen, vorbei an Gemüsegärten und Obstbäumen. Die Jugendherberge liegt ganz oben im Dorf auf einem Hügel. Das heißt konkret: Aufstieg. Zu der jetzigen Zeit, 15 Uhr 30, scheint die Sonne besonders intensiv und lässt mich förmlich den Berg hoch kriechen. Oben angekommen, werde ich mit einem wunderschönen Blick in den Hafen und einem ebenso schönen, alten Gebäude umgebaut zur Jugendherberge empfangen. Neben meinem Gepäck lasse ich auch meinen Wunsch für das Abendessen dort: heute gönne ich mir Fisch mit Gemüse. Lecker! Da man erst ab 17 Uhr in die Zimmer und die Duschen kann, wechsle ich von Wanderschuhen in Flipflops, creme zum 10ten Mal Sonnencreme über den Sonnenbrand und steige wieder ab in das Dorf. Für heute wird das Dorf erstmal nur kurz inspiziert, da ich geplant habe morgen hier einen ganzen Tag zu verbringen. Zum einen schont die Nacht im YHA mein Reisebudget. Zum anderen ist die nächste Unterkunft in Helford erst übermorgen wieder frei.

Auch wenn ich das vorher so nicht mit eingeplant habe, ergibt sich daraus erst wirklich das Spontane. Wäre ich sonst auf die Idee zu kommen einen Tag in Ruhe in Coverack zu verbringen?

Als ich mich auf die Mauern des Hafens setzte, merke ich erst wie es sich gelohnt hat. Die Sonne meint es nach wie vor gut mit mir und scheint dankend ins Gesicht. Das beste Wetter für ein großes Eis! Ein ganz besonders Leckeres bekommt man in dem süßen Café Archie´s Loft direkt an der Hauptstrasse neben dem Hafen. Neben Eis gibt es hier auch selbstgebackenen Kuchen, Sandwiches, Salate, verschiedene Kaffeesorten… jeden Tag von 12 bis 17 Uhr. Und das alles zubereitet mit Zutaten aus der Region zu einem angenehmen Preis. Merke ich mir schon mal vor für morgen. Trotz Eis lenkt mich der Hunger gegen 17 Uhr zurück ins Hostel. Ich richte mich in dem 4-Bettzimmer oben auf dem Hochbett häuslich ein, kühle mich mit einer Dusche ab und betrete pünktlich um 18 Uhr den Essraum. In diesem großen Raum mit Erker sind um die fünf großen Tische angeordnet, von denen man raus aufs Meer blicken kann. Im hinteren Teil des Raums schließt sich die Küche an, die durch eine Durchreiche mit dem Raum verbunden ist. Ich geselle mich an einen der Tische zu einem älteren Paar aus Australien und einem Herren aus Großbritannien. Den beiden Australiern bin ich lustigerweise heute morgen schon beim Frühstück im Stormfield B&B begegnet. Auf der Strecke nach Coverack haben sie mich immer wieder überholt. Während des Essens entwickelt sich ein interessantes Gespräch über das Wandern im Allgemeinen und die Unterschiede von Australien und Europa. Ich bin ganz fasziniert darüber, wie das Land und die Leidenschaft für das Wandern über räumliche Grenzen hinweg die Menschen, egal welchen Alters oder Kultur, miteinander verbindet.

 

Die Unterkunft

Die Jugendherberge ist ein wunderschön renoviertes Landhaus aus der viktorianischen Epoche. Hoch über Coverack liegt es auf einem Hügel, von dem man aus einen weiten Blick über das Meer hat. Egal nach welchen Vorlieben man hier anreist, das YHA bietet für jeden das passende Angebot. Neben den 9 Schlafräumen, unter denen es auch Doppelbetten gibt, bietet das YHA ebenfalls eine Campingfläche. Auch was die Verpflegung angeht, so kann man sich entweder in der großen Küche selbst versorgen oder sich mit täglich wechselnden Gerichten bedienen lassen. Der Charme vergangener Zeit zeigt sich besonders im Wohn- und Lesezimmer. Auf wulstigen Ledersofas lässt sich am Abend ganz gemütlich lesen. Genau dies mache ich an diesem Abend und tausche meinen deutschen Roman gegen einen englischen Krimi von Peter James im Book-Exchange-Regal.


Das Frühstück

  • als Buffet plus Frisches aus der Pfanne
  • Obst, Tee, Kaffee, Toast, Saft zum Selbstbedienen
  • kleine Snacks an der Theke
  • Abendessen als Menu und kleine Gerichte ab 18 Uhr

Der Preis

  • 14 £/ Person und Nacht
  • ab 5 £/ Frühstück
  • ab 6 £/ Abendessen

Das Angebot

  • Insgesamt 39 Betten
  • Waschbecken und Heizung in jedem Raum
  • Bettwäsche inklusive
  • Waschmaschine, Trockner und Trockenraum
  • Lese-/ Aufenthaltsraum (mit Bücherecke)
  • Frühtstück und Abendessen
  • Küche zum Selbstverpflegen
  • Campingwiese
  • Grillen möglich
  • Zahlung mit Kreditkarte möglich
  • geöffnet von Anfang April bis Ende Oktober
  • dazwischen auch für private Anlässe zu vermieten

Anschrift
YHA Coverack
Parc Behan
School Hill
Coverack Cornwall
TR12 6SA
Tel: +44 (0)845 371 9014
Fax: +44 (0) 845 371 9015
coverack@yha.org.uk
www.yha.org.uk/find-accommodation/south-west-england/hostels/Coverack

Alle Bilder dieser Tour habe ich außerdem hier zusammengestellt:
Fotoalbum “Lizard – Coverack” bei flickr (30 Bilder)

Daniela Klütsch

Hinter Landlinien steckt vor allem das Gesicht von mir, Daniela Klütsch. In meinem Blog Landlinien möchte ich über jene Routen berichten, die ich selber bereist habe. Den Anstoß zu diesem Blog gab mir das Buch „100 legendäre Reiserouten“ und meine Tour auf dem Jakobsweg Anfang 2009. Seitdem schreibe ich hier über das Reisen und Wandern in der Natur. Was mich neben Landlinien sonst beschäftigt, hier mehr über mich.

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