Tag 09 – Türkisblaue Wellen

Die türkisblauen Wellen von Keynance Cove

Lizard – Kynance Cove – Lizard (6 km, 3 Stunden)
Bevor ich an diesem Morgen wach werde, rüttelt mich ein eigenartiges Geräusch in der Nacht immer wieder wach. Im Halbschlaf vermute ich, dass es das Handy meiner Zimmernachbarin sein muss. Diese widerlegt jedoch meine Vermutung am nächsten Morgen durch ihren Bericht einer ebenfalls halbwachen Nacht. Nach gemeinsamem Überlegen kommen wir schließlich drauf: es war der Leuchtturm. Der steht nicht nur einfach zur Zierde da, der funktioniert auch noch. Nicht umsonst ist das Hostel ja auch das alte Leuchtturmhaus… Halb so wild, sollte man nur wissen bevor man sich in der Nacht erschreckt und gruselt.

Nach einem selbstgemachten Frühstück (Sandwich, Jogurt und Obst) geht es heute direkt los. Diesmal in die entgegengesetzte Richtung zur Kynance Cove. Diese habe ich gestern auf meiner Bustour übersprungen und muss sie allein schon wegen der einheimischen Empfehlungen sehen. Um 9 Uhr auf dem Coast Path ist noch gar nichts los. Ich habe den Weg fast ganz für mich allein. Das Wetter heute ist grandios: strahlend blauer Himmel und glitzerndes Meer. Später am Abend erfahre ich im TV, dass dies der bisher heißeste Tag mit circa 23 Grad im Jahr gewesen ist. Und jetzt bin ich mitten drin!

Die Tour bis zur Kynance Cove dauert etwa zwei gemütliche Stunden. Ich nehme mir die Zeit um mal in Ruhe zu knipsen, eine Pause auf einer der Bänke an den Klippen zu machen und weit in die Ferne zu blicken.

Auf Höhe des Pentreath Beach wird der Weg durch eine Linie markiert, da hier die Klippe nach unten zum Strand brüchig ist. Dadurch kann ich leider nicht runter an den Strand, habe somit aber mehr Zeit für Kynance Cove. Dort angekommen, blicke ich von einer Anhöhe direkt runter in die Bucht. Trotz Flut erkenne ich die vielen verschlungenen Buchten und erahne die Schönheit bei Ebbe. Vorsichtig steige ich runter und bahne mir meinen Weg durch die Wellen. In der hinteren Ecke in einer der Buchten, finde ich ein geschütztes Plätzchen im Sand. Hier grabe ich einfach nur meine Füße in den Sand, lehne mich zurück und beobachte, wie die Wellen um die Ecke in die Bucht schießen, wie in einem Wellenbad. Umwerfend… ich bin sprachlos. Erste einheimische Touristen nutzen den warmen Tag und werfen sich voller Freude in die Wellen. Familienväter werden zu Entertainern und bringen ihre Familien immer wieder zum lachen, indem sie „zufällig“ vollkommen nass von einer Welle werden. Ich lache heimlich mit.

Nach einer Zeit wird durch die Ebbe immer mehr Strand freigelegt. Neugierig verlasse ich meine Höhle und steige zu der anderen Seite der Kynance Cove auf. Von hier aus entdecke ich tatsächlich das Postkartenmotiv, das ich mittlerweile schon oft in den Shops gesehen habe: ein fast unberührter Strand, zwischen zwei Klippen, der sich nur für eine kurze Zeit der Ebbe zeigt. Romantisch irgendwie. Die Chance haben erste Mutige schon ergriffen und sich für den heutigen Tag mit ihren Fußstapfen im Sand verewigt. Und tatsächlich: das Wasser ist wahrhaftig türkis. Ein junges Paar hat sich eine besonders romantische Stelle an den Klippen mit Blick auf die Bucht für ihr Picknick ausgesucht. Bei dem Anblick bekomme ich Hunger. Das Keynance Beach Café bietet sich da genau an. Zwischen den beiden Anhöhen liegt es ruhig in der Mitte. Der Blick von hier aus auf die Bucht ist frei und schön, egal ob von drinnen oder von draußen. Dort stehen zahlreiche Picknick-Tische auf dem Rasen, die zu der Uhrzeit ganz gut, aber nicht voll besetzt sind. Als ich in das Café eintrete, bin ich überwältigt von dem Angebot: Sandwiches in allen möglichen Varianten, Baked Potatoes, Salate, warme Mittagsgerichte (z.B. Cheeseburger), selbstgebackener Kuchen, Eis, Smoothies (unbedingt probieren!), verschiedene Getränke, Chips und natürlich Souvenirs, von Postkarten bis Notwendigkeiten für den Strand. Außerdem gibt es um die Ecke ein öffentliches WC. Also alles da, was man für einen entspannten Tag am Strand braucht.

Nachdem ich meinen Smoothie und Sandwich auf der Veranda mit Blick auf das Meer genossen habe, suche ich mir für den Rest des Nachmittages wieder ein ruhiges Plätzchen in der Bucht und lese entspannt mein Buch.

Ganz friedlich kann ich heute einfach mal den Tag genießen, mich sonnen (gut dass ich mir den Bikini in Penzance noch gekauft habe!) und die Gedanken  mit dem Meer dahin treiben lassen. Die Sonne ist unglaublich stark und brennt auf der Haut. Mein alter Sonnenbrand ist noch nicht so richtig abgeheilt und beginnt wieder zu schmerzen. Ich hülle meine Hände in mein T-Shirt und schmiere noch mehr Sonnencreme drauf. Ein Blick auf die Uhr drängt mich so langsam wieder zurück. Leider. Immerhin habe ich noch 1,5 bis 2 Stunden Weg vor mir, muss meinen Rucksack aus dem Hostel holen und in meiner neuen Unterkunft, dem Stormfield B&B, einchecken. Schweren Herzens trenne ich mich von der, meiner Meinung nach, schönsten Bucht, die ich seit langem gesehen habe.

Zurück in Lizard erwartet mich geschäftiges Treiben. Touristen zieht es zu diesem südlichsten Zipfel Großbritanniens, aber ganz so touristisch überlaufen wie in Land´s End ist es nicht. Eher abgelegen, einheimisch, ein kleiner Juwel. Als ich in dem B&B im Zentrum ankomme, begrüßt mich an der Tür ein fröhlicher, oberarmtätowierter, barfüßiger Brite namens Martin, die Hände voll Mehl vom Brot backen. Fast wie eine eigene Tochter, die nach Hause kommt, werde ich hier von Martin empfangen und hofiert. Seine Frau sei noch auf der Arbeit, aber ich könne es mir ruhig bequem machen und wenn ich etwas bräuchte solle ich einfach bescheid geben. In einem Schwatz im Flur berichte ich ihm begeistert von meinem Tag in der Kynance Cove und ernte damit ein stolzes Lächeln des Einheimischen. Lizard, so erzählt er mir, ist schon eine ganze besondere Region. Viele Touristen fahren auf ihrer Tour durch Cornwall oft hier vorbei, da es etwas abgelegen von der Hauptstraße liegt. Zum Vorteil derer, die hierher finden und bleiben. Denn für ihn ist dies der schönste Fleck Cornwalls. Naja, eigentlich der schönste ganz Englands, grinst er verstohlen. Ich komme nicht umher ihm zuzustimmen.

Die Unterkunft

Das Stormfield B&B ist eine ganz herzliche und familiäre Adresse. Gerade als Alleinreisende(r) fühlt man sich hier besonders gut aufgehoben. Das Herzliche merkt man auch schon an der Ausstattung der Zimmer: in einem Ordner sind neben einer Beschreibung zu Lizard und der Familie Stormfield, alle Dokumente zum Zimmer aufbewahrt. Auch die Anleitung für den Föhn! In dem Schrank über der Tür ist ein Fernseher versteckt, den ich ausnahmsweise heute mal gebrauchen werde. Auf dem Tischchen neben der Tür steht ein Wasserkocher, Tee, Kakao und Keksen. Neben meinem Zimmer mit zwei Betten, gibt es noch ein weiteres Zimmer mit einem Doppelbett. Beide Zimmer teilen sich ein Bad im Flur. Sogar mit Badewanne! Das wählbare Frühstück ist mit Liebe gemacht und wird frisch an den Tischen im Wintergarten serviert. Man wird bestens unterhalten von dem Hund der Stormfields, der aufgedreht in dem großen Garten tobt. Zum Abschied gibt mir Martin noch beste Wünsche mit auf den Weg und winkt mir mit „Take care, my love“ hinterher.

Das Frühstück

  • zwei Varianten mit selbstgebackenen Brot
  • Preis in der Übernachtung enthalten

Der Preis

  • 33 £/ pro Person und Nacht mit Frühstück

Das Angebot

  • zwei Zimmer für je zwei Personen
  • TV auf jedem Zimmer
  • Bad im Flur mit Badewanne
  • Frühstück im Wintergarten oder Garten möglich
  • Pub in der Nähe

Anschrift
Stormfield B & B
Alison and Martyn
The Lizard
TR12 7NZ
Tel: +44 (0) 1326 290806
alison.b60@btinternet.com
www.cornwall-online.co.uk/stormfield-thelizard

Alternativen
YHA Lizard Point
The Lizard
TR12 7NT
Tel: +44 (0) 845 371 9550
Fax: +44 (0) 870 770 6121
lizard@yha.org.uk
www.yha.org.uk/find-accommodation/south-west-england/hostels/lizard
14,40 £ pro Person und Nacht

Parc Brawse House
Ben and Jo Charity
Penmenner Road
The Lizard
TR12 7NR
Tel. +44 (0) 1326 290466
benjocharity@aol.com
www.cornwall-online.co.uk/parcbrawsehouse
25 bis 35 £ pro Person und Nacht

Keynance Cove Cafe
Victoria Donovan
Tregominion Barn
The Lizard
Nr. Helston
TR12 7PF
Tel: +44 (0) 1326 290436 / 291117
cottage@kynancecovecottage.co.uk
www.kynancecovecafe.co.uk/contact.htm

Alle Bilder dieser Tour habe ich außerdem hier zusammengestellt:
Fotoalbum “Lizard” bei flickr (28 Bilder)

Daniela Klütsch

Hinter Landlinien steckt vor allem das Gesicht von mir, Daniela Klütsch. In meinem Blog Landlinien möchte ich über jene Routen berichten, die ich selber bereist habe. Den Anstoß zu diesem Blog gab mir das Buch „100 legendäre Reiserouten“ und meine Tour auf dem Jakobsweg Anfang 2009. Seitdem schreibe ich hier über das Reisen und Wandern in der Natur. Was mich neben Landlinien sonst beschäftigt, hier mehr über mich.

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  1. Pingback: Der "South West Coast Path" in Cornwall | Landlinien Outdoor-Reiseblog

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