Tag 04 – Wie am Set von „Lost“

Auf dem Weg Richtung Pendeen

Zennor – St. Just (18 km, 8 Stunden)
In dieser Nacht schlafe ich schlecht und kurz. Um 6.30 Uhr wache ich auf, kann nicht mehr schlafen. Die Gedanken im Kopf türmen sich wie Berg aus schweren Steinen. Eine Stunde lang geht das so. Ich fühle mich einsam in meinem 6-Bett-Zimmer. Die unberührten Betten starren mich fragend an. Ich stehe auf. Scheinbar die einzige, denn es ist unheimlich still im Treppenhaus. Unten im Aufenthaltsraum treffe ich dann doch auf zwei junge Mädels in meinem Alter. Scheinbar war ich nicht der einzige Gast an diesem Abend. Immer noch gerädert von meiner gestrigen anstrengende Tour und wenigen Schlaf, stelle ich mir ein köstliches Frühstück vom Buffet zusammen. Kaum sitze ich und schlürfe meinen Tea, spricht mich auch schon eines der Mädels an. Ob ich auch zum wandern hier bin. Ja, für zweieinhalb Wochen. Die beiden Freundinnen aus Exeter sind nur für ein Wochenende auf dem Coast Path unterwegs. Das haben sie schon öfter gemacht. Freitags hin, wandern, Sonntags zurück. In diesem Moment beneide ich sie, um diese einfache Möglichkeit diese tolle Land, diese schöne Cornwall zu erleben. Auf der andere Seite könnte ich das genauso zuhause in Deutschland haben. Mit dem Zug Richtung Eifel, wandern und Sonntags wieder zurück. Aber auf die Idee, das dann auch so einfach und ohne Umschweife zu machen, bin ich noch nicht gekommen. Im Gegensatz zu mir laufen die beiden in die entgegengesetzte Richtung. Von Süden nach Norden quasi. Gestartet von Porthcurno über St. Just und gestern Zennor, laufen sie heute weiter nach St. Ives. Wie die ihre gestrige Strecke von St. Just bis Zennor gewesen sei, will ich natürlich wissen. Anstrengend. Und zeitintensiv. Fast 10 Stunden haben sie gebraucht. Erst um 18 Uhr sind sie gestern Abend hier angekommen. Während wir noch leicht schläfrig darüber quatschen was wir beruflich machen und wie schön doch Cornwall ist, fällt mir die lockere Kleidung der beiden auf. Gummistiefel, Wollstrumpfhose, Jeansrock. So gar nicht Outdoor. Ich mit meiner langen Fahrradhose aus atmungsaktivem Stoff, Jack Wolfskin Pulli und Wanderstöcken wirke dagegen wie ein klassischer Outdoornerd. Wobei ich mir dann denke: wenn die beiden die Strecke in Rock und Gummistiefel laufen können, kann ich das allemal.

„Es würden bestimmt mehr junge Leute den Coast Path laufen, wenn es mehr Hostels oder Camping geben würde.“

Wie wär´s mit Rent-a-Camp? Mit den Gedanken über ein neues Geschäftsmodell am South West Coast Path in Cornwall, mache ich mich auf zu zweiter Etappe meiner Strecke. Mein Plan für heute ist es erstmal bis Pendeen zu laufen. Das sind genau wie gestern 11 Kilometer. Dort habe ich mir vorsichtshalber schon ein B&B reserviert. Absagen kann ich immer noch. Wenn ich dort dann auch so gegen 13 Uhr ankomme (und mich noch fit fühle) laufe ich weiter bis St. Just. Sind nur 7 Kilometer. Die beiden Mädels haben so sehr von der gemütlichen Herberge und dem tollen Essen geschwärmt, dass ich so gerne bis dahin heute schaffen will. Heute ist ein Schlechtwettertag. Es nieselt. Ununterbrochen. Darauf muss ich mich erstmal einstellen und bin die erste Stunde des Weges hauptsächlich damit beschäftigt meine Kleidung neu anzuordnen. Das Regencape trage ich ganze 10 Minuten bis der Regen schlagartig aufhört und die Sonne wieder durchkommt. Außer mir ist kein anderer Wanderer auf der Strecke. Ganz allein auf den Klippen im Regen. Leicht unwohl ist mir dabei schon. Der komplette Weg bis einschließlich Pendeen ist furchtbar anstrengend. Es geht immer wieder runter ins Tal und wieder hoch auf die Klippe. Bucht für Bucht. Klippe für Klippe. Ohne Unterbrechung. Der Weg ist so wie die Natur ihn einst geschaffen hat: unberührt, steinig und matschig. Ich kann kaum einfach nur gerade aus laufen, da mein Blick fast konstant auf den Boden gerichtet ist, Obacht gebend dass ich nicht stolpere. Es wird immer später und später. Fast schon 13 Uhr! Und meine 13-Uhr-Ziel Pendeen ist lange nicht in Sicht. Vor mir sehe ich nur wieder Klippen, keinen Weg, keine Stadt. Frustriert und kräfteleer lasse ich mich nieder zu einer Pause. Mitten auf einer wilden Kuhweiden, zwischen Ginsterbüschen und Kuhfladen, finde ich ein Plätzchen zum Ausruhen. Meine Lebensmittel vom Vorabend (noch trockeneres Baguette mit Cheddar Cheese) sind eine Wohltat. Schokolade stärkt. Ich kann weiter. Nach weiterem Klippensteigen im Nieselregen, treffe ich auf einem Hügel eine Frau mit ihrem grauen Pudel. Sie wirft einen Ball den Hügel hinunter, der Pudel holt ihn eifrig, legt ihn wieder bei ihr ab und kläfft. Ich muss an Fox denken. Vermisse ihn schon sehr. Wie das so ist, man grüßt sich freundlich, kommt über das Wetter in ein Gespräch und bedient die Neugier mit Erzählungen darüber woher man kommt und wohin man geht. Ob ich ganz alleine unterwegs sein. Ja, sage ich, mein Freund wäre auch gerne mitgekommen. Aber der hat es gerade schwer mit dem Rücken. Da lacht sie: Ja ja, das würde ich auch sagen. Zwinker, zwinker. „You are a brave girl!“ Diese Aussage macht mir jetzt leicht Angst. Hab ich noch was Schlimmes zu erwarten auf dem Weg? Sind es doch noch 8 Kilometer bis Pendeen? Geht es ab jetzt nur noch bergauf? Verunsichert frage ich nach wie weit es denn noch bis Pendeen sein. Nicht mehr soweit, meint sie. Sie würde mir ja jetzt gerne sagen, dass der Weg leichter wird. Wird aber leider nicht. Lach. Aber Pendeen, da wird es etwas flacher. Ein Hoffnungsschimmer. Nach dem kurzen Schwatz tauche ich wieder ab in die „Berge“. Kurz davor diese zum x-ten Mal zu verfluchen, reißt mich der Anblick einer Schafherde aus den Gedanken. So mitten drin, ganz frei im Tal stehen, laufen, liegen sie. Sogar kleine Lämmchen! Unvermeidbar muss ich an der Stelle an Lammfilet denken. Im nächsten Moment schäme ich mich auch schon wieder. Passiert halt immer wenn ich Tiere wie Schafe, Kühe und eben Lämmer auf einer Weide sehe. Im ersten Moment sehe ich ein Tier. Und dann ein Steak oder Filet oder Wurst. Na egal. Auf jeden Fall ist es ganz schön schwer den Weg wieder zu finden so in mitten der getrampelten Pfade der Schafe. Wo muss ich den jetzt lang? Die Karte ist auch nicht besonders hilfreich. Da erkenn ich schon mal gar nichts. Ich laufe einfach mal hindurch, orientiere mich am äußeren Rand der so-ungefähr-Weide. Ein Blick zurück. Und ja da lässt sich erkennen, dass ich richtig gelaufen bin. Mein Weg ist doch ein bisschen tiefer getreten als die Schafswege. Hinter dem Schafshügel geht es… natürlich wieder runter ins Tal. Aus der Ferne kann ich bereits eine Hund kläffen hören. Je weiter ich begab steige, desto näher komme ich dem Hunde. Er steht mir gegenüber, getrennt durch eine Flußeinmündung, am anderen Ufer. Erst habe ich Mitleid und befürchte, dass er sich verlaufen hat. Beim genaueren Betrachten erkenne ich jedoch, dass der Hunde so ein fieser kleiner Kampfhund ist und so gar nicht entspannt ist. Er zuckt so nervös. Kein gutes Zeichen. Ich habe die Wahl zwischen helfen und gefressen werden oder der Natur vertrauen und den Hund da zu lassen. Kurz überlegen… ich gehe. Dann endlich, um 14 Uhr erreiche ich den weiß strahlenden Leuchtturm von Pendeen. Ganze 5 Stunden war ich jetzt, inklusive der kurzen Pause, unterwegs. Wieder nur 11 Kilometer. Aber ich bin nicht ganz so geschafft wie gestern. Das Wissen darüber, dass die kommende Strecke flacher sein wird, ich in den letzten 2 Tagen die schwierigste Etappe des Coast Path geschafft hab, sich diese nicht wiederholen wird und darüber dass mich ein tolles Essen in St. Just erwarten wird, macht es leichter. Die 7 Kilometer schaffe ich jetzt auch noch. Vor 17 Uhr ist die Jugendherberge sowieso nicht geöffnet. Also keinen Stress. Auf der Mauer des Leuchtturm sitzend mit Blick auf die raue Küste vor mir, sage ich noch schnell das B&B in Pendeen ab. Eigentlich sehr schade, denn ich hatte mich schon so auf das angekündigte frisch gebackene Brot zum Frühstück gefreut. Der Ausblick, der sich mir von hier aus in Richtung Cape Cornwall bietet, ist absolut mystisch. In der Ferne schießen etliche Türme bzw. Schornsteine aus der Erde, umhüllt von dichtem Nebel. Es ist immer noch grau und nieselig. Gepaart mit dem monotonen, sich wiederholenden Lauten des Leuchtturms, komme ich mir vor wie auf der Insel bei „LOST“. Je näher ich den einsame Türmen komme, desto unheimlicher werden sie mir. Im ersten Moment kann ich gar nicht einordnen warum hier so viele stehen und welchen Zweck sie erfüllt haben. Haben, denn genutzt werden sie mit Sicherheit nicht mehr. Hier ist es menschenleer. Vor mir liegt eine verlassene und zerfalle Arbeiterstadt. Reste von Öfen, Lagerhallen, Kanälen und Schornsteinen lassen sich aus den Trümmern erkennen. Die Erde ist strahlend rot, so ganz anders als das satte grün auf meinem bisherigen Weg. Kein Wunder, den schon seit jeher wurden hier Zinn und Kupfer abgebaut. Die Geschichte geht zurück bis vom römischen Reich bis ins Mittelalter. Seinen Höhepunkt erreichte der Zinn- und Kupferabbau während der Industrialisierung im 19. Jahrhundert.

Zu diesem Zeitpunkt deckten die abgebauten Erträge 2/3 des gesamten Weltbedarfs. Das muss man sich mal vorstellen.

Für die Region Cornwall entwickelten sich dadurch natürlich jede Menge Arbeitsplätze, sowie Aufschwung und Wohlstand. Der Traum von Zink und Kupfer zerplatze jedoch schneller als gedacht. Als in Afrika große Mengen an Kupfer und in Malaysia Zink entdeckt wurde und diese zu viel niedrigeren Preisen auf dem Weltmarkt angeboten wurden, war es vorbei mit dem Zinnrausch. Die Bergwerke leerten sich schlagartig, die Menschen verließen die Region. Zurück blieben die Ruinen und die rote Erde. Auf der ich jetzt laufe, mitten durch diese Geisterstadt. Auf einer Info lese ich, dass es sich bei dieser Geisterstadt um die ehemalige „Greevor Tin Mine“ handelt. Noch bis vor 20 Jahren wurde hier Zinn abgebaut, bis sich das Bergwerk den niedrigen Preise am Weltmarkt ergeben musste. Heute dient das Bergwerk als Touristenattraktion. Man kann die verborgenen Gänge besichtigen und 700 Meter tief unter die Erde fahren. Zum Fotografieren ein Traum hier. Das Fotografieren bereitet mir Laune. Lenkt mich ab von den negativen Gedanken an Regen und Hügel. Lässt mich konzentriert blicken auf das, was ist. Als würde der Himmel sich mit meiner Laune synchronisieren, hellt er sich auf und die Sonne kommt durch. Der Abschnitt hinter dem Parkplatz weiter Richtung Cape Cornwall ist richtig toll. Und endlich bewahrheitet sich auch die Versprechung, dass es ab Pendeen flacher wird. Ja, es wird. Zwar habe ich anfangs noch Schwierigkeiten auf dem Weg zu bleiben, da sich von hier aus mehrere Pfade anbieten. Da aber ein junges Paar vor mir läuft, finde ich wieder jemanden an dem ich mich orientieren kann. Nach einem langen, flachen Abschnitt mitten durch gelbe Ginsterbüsche, geht es erneut tief ins Tal. Der Abstieg wird diesmal aber entlohnt, durch den Anblick eines wunderschönen Cottages, versteckt hinter hohen Büschen, zugewachsen mit wilden Pflanzen, gelegen an einem rauschenden Fluss. Auf der angrenzenden Weide grasen zwei Esel, ganz ungestört. Vor dem Aufstieg aus dem Tal beiße ich noch einmal die Zähne zusammen. Weit kann es nicht mehr sein bis zur Herberge. Ich muss schon ganz in der Nähe sein. Und siehe da, kaum bin ich über den Hügel, sehe ich auch schon Cape Cornwall, mystisch im Meer liegen. Dort angekommen atme ich das erste Mal auf diesen Weg wirklich durch. Und gehe auch das erstmal auf Toilette! Ganze 8 Stunden unterwegs ohne eine einzige Pinkelpause. Die 2 Liter Wasser aus meinem Trinkrucksack muss ich wohl verschwitzt haben. Oder/ und es war die Anspannung: Komme ich rechtzeitig an? Laufe ich hier richtig lang? Habe ich noch genug Kraft bis zum Ziel? Hier am Cape Cornwall fällt sie ab, all die Anspannung. Ein vertrautes Gefühl von zuhause. Der Moment nach Feierabend. Aber warum nehme ich das hierhin mit?

Warum laufe ich von nine to five und habe dann erst Freizeit? Ich bin doch hier nicht im Büro. Ich bin. Jeden Moment. Jede Minute. Jede Sekunde.

Nach einer kleinen Stärkung am Büdchen mit Chips, Wasser und KitKat, laufe ich das letzte wirklich letzte Stück zur Jugendherberge. Steil am Golfplatz vorbei, den Zeichen Richtung Sennen Cove folgend und dann im nächsten Tal linke Richtung ins Land. Es ist 20 nach 4. Also noch gut in der Zeit, wenn die Herberge erst um 17 Uhr öffnet. Knapp 8 Stunden bin ich gelaufen. Nur mit einer kurzen Pause. Und knapp 18 Kilometer hab ich geschafft. Der Weg hin zur Jugendherberge ist überhaupt nicht ausgeschildert. Meine Karte, nicht wirklich hilfreich. Erwähnte ich das schon? Dafür das iPhone und Google Maps, das einzige technische Teil, neben der Digicam, in meinem Wandergepäck. Im Ort angekommen halte ich mich rechts auf einem kleine Pfad an am Rücken einer Häuser-/ Gartenreihe vorbei und dann, siehe da, wieder eine Wegmarkierung mit Pfeil nach rechts zur YHA. Am Abend – Nachdem ich die Unterkunft genauestens inspiziert habe (siehe Beschreibung) und mich frisch gemacht habe, lasse ich mich entspannt nieder am Esstisch im Aufenthaltsraum. Völlig kräfteentleert und gleichzeitig glückselig sitze ich da. Neben zwei britischen Jungs, die auch eben erst angekommen sind. Nach der langen Tour in der Einsamkeit ist mir jetzt nach Gesellschaft. Während wir auf unser köstlich, frisch gekochtes Essen warten, kommen wir auch schon schnell in Gespräch. Klar ist, dass wir alle nur kurz hier sind. Und touren. Das hat eine Jugendherberge bzw. die Gäste, die in ihr wohnen, so an sich. Man bleibt nicht lange und man teilt sich das wenige Geld ein. Geld für teure Hotels gibt es nicht. Eben ein sehr ähnlicher Schlag Mensch. Ganz anders als im B&B. Da ist man eher für sich. Dem zum Trotz, plaudern wir fröhlich über die Vielfältigkeit des Reisens in Großbritannien. Die Jungs zum Beispiel starten am nächsten Tag ihre Tour mit dem Rad von Cornwall hoch in den Norden. Einer von ihnen sogar bis nach Schottland. Ob es da so ähnlich wie beim Wanderweg „South West Coast Path“ genauso bekannte Radwege gibt, will ich wissen. Ja, es gibt viele bekannte Strecken wie zum Beispiel den „from Coast to Coast“. Aber viel asphaltierte Abschnitte. Da lang wo auch die Autos fahren. Und viele Steigungen. Aber das kenn ich ja auch vom Wandern. Auch diese beiden bestätigen meine Annahme, dass verhältnismäßig wenige junge Briten ihr eigenes Land in der Art, eben Backpacking, bereisen. Ja das stimmt… vermutlich liegt es daran, dass sie das Abenteuer weit weg von zu Hause suchen. Australien, Asien, Neuseeland. Während wir so plaudern über Backpacking in Deutschland und warum da auch kaum junge Leute auf den Gedanken kommen durch das eigene Land mit dem Rucksack zu reisen, lassen sich an den benachbarten Tische weitere Gäste nieder. Schon spannend wie unterschiedlich diese doch sein können. Zum Beispiel gegenüber am Tisch speist ein schweizer Pärchen aus ihren Campingtöpfen. Nebenan ein Opi, versunken in sein Apple Notebook während seine Gattin fröhlich ihren Tea genießt. Schräg gegenüber eine emsige Asiatin (meine Zimmergefährtin), die rasend schnell ihr Essen verdrückt, um dann noch im Gästebuch zu lesen, um danach noch einen Abendspaziergang zu machen, um dann früh ist Bett gehen zu können. Ob ich auch so eigen wirke? Kurz bevor ich ins Bett gehen will, so gegen 21 Uhr, bekommen meine (schon schlafende) Zimmergefährtin und ich noch einen Gast dazu. Ein junges Mädel in meinem Alter, die jetzt erst von ihrem 12-Stunden-Marsch aus Penzance hier angekommen ist. Für diese Strecke habe ich ganze 2 Tage eingeplant! Ich bin sprachlos. Die Arme ist erschöpft und befürchtet, dass sie uns beide mit ihren muffigen Klamotten ersticken wird. Ich beruhige sie flüsternd und biete ihr als Willkommensgruß meine Blasenpflaster an. Sie lacht und lehnt dankend ab, da sie schon welche davon drauf habe. Warum sie denn so ein langes Stück gelaufen sei, will ich wissen. Als wäre das ganz klar antwortet sie: „Auf der Strecke bis hierher gab es kein anderes Hostel.“ Ok, so kann man das auch sehen. Sie macht das jetzt schon seit letzen Jahr regelmäßig: nahezu jedes Wochenende ein Teil vom South West Coast Path. Stück für Stück. „Zwischendurch muss man ja auch noch arbeiten.“ Sie hat Recht. Aber ans Arbeiten will ich jetzt gar nicht denken. Von wo ich den käme und wie weit ich morgen laufen will, fragt sie neugierig. Fast beschämt angesichts ihrer Leistung erzähle ich ihr von meinem Plan. Sie macht mir Mut: „Du hast bis Penzance zwei ganz tolle Tagestouren vor Dir. Und die Jugendherberge in Penzance ist ein Traum!“ Gemerkt und als Anreiz für die kommenden Tage verbucht. Sie ist sich ganz sicher, dass wenn ich jeden Tag stramm durchlaufe, ich es in den 2 Wochen auch bis Plymouth schaffe. Das aus dem Munde einer 12-Stunden-Läuferin… mein Mut verschwindet leicht.

Die Unterkunft

Die Jugendherberge von St. Just liegt ganz idyllische auf einer kleinen Anhöhe mit Blick über das Tal hin zum Meer. Ich werde sehr freundlich empfangen und bin erstaunt über das reichliche Angebot und den Service für das kleine Geld. Genau für Leute wie mich (Wanderer) gemacht: Abendessen mit Vorspeise und Nachtisch, verschiedene Sorten Frühstück, Bier & Co an der Bar, Wäscheleine hinterm Haus… Großartig! Mein Zimmer wird hell erleuchtet von der Sonne, die sich langsam dem Horizont zuneigt. Nachdem der Rucksack vollkommen leer geräumt und die dreckigen Sachen im Waschbecken gewaschen sind, hänge ich sie in der Abendsonne neben dem Haus auf die Wäscheleine. Bevor ich mir die langersehnte Dusche gönne, blicke ich mit den anderen, mittlerweile angereisten Gästen auf den Sonnenuntergang. Unbezahlbar! Das Abendessen ist, wie die beiden Mädels in Zennor schon angedeutet haben, erstaunlich gut. Erstaunlich deshalb, weil ich es dem jungen Spunt, der zuvor an der Rezeption gesessen hat, gar nicht zugetraut hätte. Er schmeißt den Laden hier nur mit 2 weiteren jungen Mädels zusammen. Respekt! Zum Essen gibt es stilles Wasser umsonst. Und sehr unterhaltende Tischnachbarn.

Das Frühstück

  • von 7.30 bis 9.00 Uhr
  • Komplettangebot für 4,95 £

Der Preis

  • 10 £ /Jugendherbegsausweis (1 Jahr international gültig)
  • 12 £ /pro Person & Übernachtung im 6-Bett-Zimmer
  • 4,95 £ /Frühstück
  • Abendessen ab 5,25 £

Das Angebot

  • verschieden aufgeteilte Mehrbettzimmer
  • Waschbecken und Heizung in jedem Raum
  • Bettwäsche inklusive (aber keine Handtücher)
  • Waschmaschine, Trockenraum und Wäscheleine vorhanden
  • Abendessen & Frühstück
  • Offene Küche auch vorhanden
  • Großer Garten mit Bänken
  • Aufenthaltsraum mit Bücherecke, Broschüren und Kamin
  • Campingmöglichkeiten

Anschrift
Letcha Vean St Just-in-Penwith
Penzance
Cornwall TR19 7NT
Tel.: +44 (0)845 371 9643
www.yha.org.uk/find-accommodation/south-west-england/hostels/Lands-End/

Alle Bilder dieser Tour habe ich außerdem hier zusammengestellt:
Fotoalbum “Zennor – St. Just” bei flickr (33 Bilder)

Daniela Klütsch

Hinter Landlinien steckt vor allem das Gesicht von mir, Daniela Klütsch. In meinem Blog Landlinien möchte ich über jene Routen berichten, die ich selber bereist habe. Den Anstoß zu diesem Blog gab mir das Buch „100 legendäre Reiserouten“ und meine Tour auf dem Jakobsweg Anfang 2009. Seitdem schreibe ich hier über das Reisen und Wandern in der Natur. Was mich neben Landlinien sonst beschäftigt, hier mehr über mich.

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  1. Pingback: Rückblick auf den Coast Path | Landlinien Outdoor-Reiseblog

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