Burren Way 04: Doolin bis Lahinch

Auf dem Burren Way von Doolin nach Lahinch

An diesem Tag breche ich schon früh auf. Um 6 Uhr bin ich wach und packe meinen Rucksack, zum Leidwesen meiner noch schlafenden Zimmergenossinnen. Sonne ist für heute angesagt, weshalb ich die Regenkleidung – im Gegensatz zu gestern – weit hinten im Rucksack verstaue. Nach einem kurzen Frühstück stelle ich mir noch schnell ein Lunchpacket im leckeren Hostel-Café zusammen und springe kurz danach in den ersten Bus des Tages (8 Uhr) Richtung Cliffs. Etwa 10 Minuten später bin da, wohin ich gestern 2,5 Stunden zu Fuss brauchte: beim Visitor Center der Cliffs. Doch diesmal ist etwas anders… ich bin komplett alleine. Bis auf ein paar Straßenarbeiter und eine Handvoll Einheimischer ist hier niemand. Selbst das Besucherzentrum hat noch zu. Was für ein Segen! Ganz in Ruhe kann ich heute das Areal und den Turm oben auf den Cliffs ganz in Ruhe erkunden. Kaum Wind, keine Touristen, wenige Wolken am Himmel: beste Voraussetzung für meine letzte Etappe von circa 19 Kilometern auf dem Burren Way.

Beschreibung

150925–Landlinien–BurrenWay-411Vom Visitor Center aus folge ich diesmal den der roten Markierung Richtung Liscannor. Ähnlich wie gestern laufe ich nah an den Klippen auf dem angelegten Küstenweg. Man merkt, dass hier in den letzten Jahren viele Menschen unterwegs gewesen sein müssen, so erkennt man einen weiteren Trampelpfad neben dem markierten Weg. Hinweisschilder erinnern wiederholt daran, dass man diesen nicht verlassen und auch nicht zu nah an den Rand gehen sollte. Ich halte mich brav daran, auch wenn es heute im Vergleich zu gestern windstill ist. Der Ausblick von hier aus zurück auf die Cliffs ist noch beeindruckender als in die andere Richtung. Das Wetter spielt heute mit und zeigt sich von der allerbesten Seite. Das Meer strahlt in den verschiedensten Blautönen, die Aran Islands sind klar zu erkennen und auch die Ausflugsboote wagen sich an diesem Morgen wieder raus. Nach etwa 5 Kilometern erreiche ich Hag´s Head und gönne mir eine Pause, angelehnt an die urige Burg mit den Cliffs als Aussicht… sagenhaft!

150925–Landlinien–BurrenWay-505Die nächsten 10 Kilometer bis zum meinem Endziel führen mich (leider) fast komplett über Asphaltstrasse. Hag´s Head im Rücken, verlasse ich die Küsten und laufe bergab zurück in die Zivilisation. Der (hier wieder als Burren Way gekennzeichnete) Weg führt vorbei an irischen Häuschen, Pferdewiesen und Steinmauern. Die etwas eintönige und weniger spannende Umgebung lässt mich den Kopf ausschalten und runterkommen. Ich lasse die letzten Tage Revue passieren und komme wieder ein Stück mehr im Hier und Jetzt an. Als ich nach weiteren 5 Kilometern, von Hag´s Head aus gesehen, auf das Meer stoße, entdecke ich an einen großen Parkplatz angrenzend einen wunderschön verwinkelten Steinstrand. Die großen Stein sind wie zu Liegestühlen aufgetürmt und laden zum verweilen ein. Ich nehme Platz und lasse mich von den rauschenden Wellen vor mir unterhalten. Nur ein kurzes Stück weiter gibt es sogar eine Trittleiter vom Steinplateau ins Meer. Das scheint wohl das öffentliche Schwimmbad zu sein.

150925–Landlinien–BurrenWay-513Das Örtchen Liscannor durchlaufe ich recht zügig mit einem kurzen Stopp am Hafen. Von hier aus starten Hochseeangler am Morgen und einige lokale Fischer zum angeln, die ich auch an diesem Tag neugierig beobachten kann. Ein Besuch empfiehlt sich übrigens eher bei Flut, da hier sonst die Abwasserrohre frei liegen und es sehr unangenehm riechen kann. Des weiteren bietet der Ort ein paar Pubs und eine Bushaltestelle, mit der ich für einen Moment liebäugele… die letzten 5 Kilometer bis zum Strand von Lahinch führen konstant an der Hauptstrasse lang, auf die ich gar keine Lust habe. Da es aber der schnellste Weg in diesem Moment ist, laufe ich einfach weiter, schön brav am Rand der rechten Seite und mit Vorsicht was die Autos angeht. Was für ein Segen, dass nach einem Kilometer ein Bürgersteig beginnt! Sehr ungewöhnlich für Irland, doch sehr praktisch für mich. Nach Überquerung des Inagh Rivers über die Brücke, biege ich ab zum Strand und laufe den ganzen restlichen Weg nach Lahinch über Sand. Als ich die Treppen hinauf zur Promenade steige, fühle ich mich wie ein Marathonläufer, der das Ziel erreicht. 65 Kilometer in 3,5 Tagen sind geschafft. Und ich auch.

150928-Landlinien–Irland-Lahinch-26Ich freue mich auf einen Spaziergang am Meer ohne Last auf den Schultern. Lahinch bietet (mir) alles um noch ein paar Tage am Strand zu entspannen und es sich gut gehen zu lassen. Nach einer Runde die Hauptstrasse entlang und köstlicher Pasta in Joe´s Cafe, frage ich im Surfshop nach welche der 7 Surfschulen hier in Lahinch denn die beste sei. Ein Grinsen, ein Tipp: „The last Bus on the parking area, Lahinch Surf Experience. These guys are locals and the best, I would say.“ Alles klar: geh ich hin, frag ich nach, surf ich mit. Und die Reise geht weiter…

Tipps

Morgens früh mit dem ersten Bus von Doolin aus zu den Cliffs of Moher fahren (in meinem Fall um 8 Uhr von Doolin Hostel aus), das ist mein persönlicher Tipp! Dann hat man die Klippen nahezu ganz alleine für sich und läuft den Touristen wörtlich voraus. Das wirkt sich besonders entspannt auf den eigenen Geist als auch besonders schön auf die eigenen Fotos aus.

Da die Strecke von Liscannor bis nach Lahinch sich fast 5 Kilometer lang nur über Asphalt zieht, würde ich hier beim nächsten Mal den Bus nehmen und die Etappe überspringen. Die dafür gewonnene Zeit kann man wunderbar in Lahinch verbringen, ob mit einem ausgedehnten Spaziergang am Strand, einer Runde schwimmen im beheizten Pool mit Sauna oder lecker Essen in einem der vielzähligen Pubs und Restaurants.

Highlights

  1. Die Cliffs of Moher morgens alleine für mich
  2. Frühstückspause bei Hag´s Head
  3. Wellenrauschen am Steinstrand
  4. Strandspaziergang in Lahinch

Fakten

Länge: 19,3 km
Höhenmeter: 100 m hoch, 240 runter
Dauer: 4,5 Stunden (reine Gehzeit)
Verlauf: Cliffs of Moher (Visitor Center) – Lahinch
Anreise: Bus 350 (regelmäßig zwischen Cliffs und Liscannor als auch Lahnich)
Markierung: Gut (Liscannor rot und ab dort wieder Burren Way gelb)
Karten: Ordnance Survey 57
Beschaffenheit: 1/3 Feld-/ Küstenweg, 2/3 Asphalt (inkl. Strand)
Unterkunft: Lahinch Hostel, West Coast Lodge, Coach House Lodge, diverse Hotels
Essen & Trinken: Joe´s CafeO’Looney’s Bar, Kenny’s BarThe Captain’s Table und viele weitere

Meine Unterkunft (in Doolin)

West Coast Lodge
Station Road,
Lahinch

Tel: 00353 (0) 65 708 2000
conor2e@gmail.com
www.lahinchaccommodation.com

Privatzimmer ab 25 € pro Person/ Nacht (inkl. Frühstück)
Schlafsaal ab 18 € pro Person/ Nacht (inkl. Frühstück)

Privat- und Mehrbettzimmer vorhanden
inkl. sehr einfaches Frühstück, W-Lan

Ehrlich gesagt würde ich diese Unterkunft kein zweites Mal buchen und auch nicht empfehlen. Zwar liegt das B&B sehr gut (zentral aber ruhig), dafür stimmte für mich das Preisleistungsverhältnis nicht. Das (Privat)zimmer war sehr hellhörig und hatte weder Mülleimer, noch Wasserkocher noch Tee, wie es für B&Bs in der Preisklasse 45 € pro Nacht für Irland typisch und zu erwarten wäre. Das Frühstück war sehr einfach und unpersönlich: Toast mit Butter und Marmelade, Tee & Kaffee, zwei verschiedene Arten Flakes und Milch sowie Saft standen offen für alle zugänglich herum, mehr gab es nicht. Der Frühstücksraum war voll, laut und kalt… also etwas was man sich sparen kann. Im Gegensatz dazu habe ich z.B. im Doolin Hostel wesentlich besser geschlafen und gegessen, und das trotzdem Mehrbettzimmer. Also: besser etwas anderes buchen.

Daniela Klütsch

Hinter Landlinien steckt vor allem das Gesicht von mir, Daniela Klütsch. In meinem Blog Landlinien möchte ich über jene Routen berichten, die ich selber bereist habe. Den Anstoß zu diesem Blog gab mir das Buch „100 legendäre Reiserouten“ und meine Tour auf dem Jakobsweg Anfang 2009. Seitdem schreibe ich hier über das Reisen und Wandern in der Natur. Was mich neben Landlinien sonst beschäftigt, hier mehr über mich.

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