Glendalough – Glenmalure (14 km)

652 Meter hoch auf dem Lugduff

Deutschland bisher eher herbstlichkalt bis frühlingsfrisch, geht in Irland die Sonne auf und der Sommer hält Einzug. Noch vier Etappen des Wicklow Ways liegen vor mir, sprich noch vier Tage wandern und Freitag zurück nach Dublin. Dann noch zwei Tage und das Wetter wird wieder schlechter, sagt der Wetterbericht. Will ich das? Im Moment ist mir mehr nach Meer, lesen, in der Hängematte liegen und die Füße höchstens bis zum Kühlschrank und zurück bewegen. So gern ich das wandern auch habe, aber so ein bisschen Nichts-Tun wäre auch mal schön. Kurzum, ich entschließe mich noch einen Tag bis Glenmalure zu laufen, das letzte Mal die Berge zu sehen, bevor es so oder so flacher wird und dann auszusteigen, zurück nach Dublin und dann nach Limerick, wo ich später die Heimat meiner Kindheit wiederfinden werden.

Durch den Wald nach Glenmalure

Bevor ich an diesem Tag etwas später loslaufe, Glenmalure ist nur 14 Kilometer entfernt, sage ich meine Buchungen für die kommenden Tage ab und organisiere mir einen Transfer von Glenmalure zum Bahnhof in Rathdrum. Von Glendalough geht es zunächst los auf einem der markierten Wege, hoch zum Poulanass Wasserfall, danach aber rechts, statt links, wie ich zwei Tage zuvor gelaufen bin. Die nächsten fünf Kilometer ziehen sich zäh wie Kaugummi durch ein Waldstück, geradeaus aber mit ein ganz bisschen Steigung. Zugeben, den Weg mag ich gar nicht. Die gerodeten Waldflächen wirken trist, die beiden Seen sind beim Blick zurück immer weniger zu erkennen. Nur die glitzernden Steine auf dem Boden lenken mich ab und bereiten mir Freude. Ähnliche habe ich bereits auf meiner zweiten Strecke von Knockree bis Roundwood entdeckt, nur waren sie dort grau-silbrig, hier glitzern sie kupfer-gold. Wie ein Dieb komme ich mir vor als ich ein paar der glitzernden Steine als Andenken einstecke. Ein Blick zurück gibt mir Sicherheit, niemand hat mich beobachtet.

Nach dem Waldstück, kurz vor Glenmalure, wird es dann landschaftlich wieder interessant: der Lugduff (652 m) und der Mullacor (657 m) liegen vor mir. Wie ein kleines Kind freu ich mich über diese „Geschenke“ und schreite frohen Mutes voran. Statt, wie es der Wicklow Way vorsieht, die beiden Bergen in der Mitte auf dem Holzsteg zu durchqueren, mache ich noch einen Abstecher rauf auf den Berg Lugduff. Der Aufstieg fällt mir wesentlich leichter als noch zu Beginn meiner Tour, und das obwohl ich zuvor nie der Bergliebhaber war. Dies hat sich dann wohl mit dieser Reise geändert, so bin ich nun fast süchtig und will noch höher hinaus. Fast ein bisschen enttäuscht bin ich, als ich oben, also auf der Spitze, also ganz oben auf dem Lugduff angekommen bin und es nicht weiter hoch geht. Vielleicht bin ich deshalb auch so enttäuscht weil ich weiß, dass dies der letzte Berg für diese Tour, somit wahrscheinlich auch der letzte Berge für dieses Jahr sein wird. Andächtig lasse ich mich nieder ins weiche Heidegras, sinke ein, in Stille und Natur, atme all die Enttäuschung aus und diesem Moment hier oben wieder ein.

Hier oben fühle ich mich als Teil der Natur, da ich mit ihr auf einer Blickhöhe bin. Die Berge, der Himmel, der Horizont und ich, wie sind auf einer Linie, in 360°.

Neben meinem Atem höre ich wieder nur den Wind und etwas Vogelgezwitscher, kann Rauschen der Bäume, kein Rascheln der Büsche. Ich mache mir klar, dass dieser Ort hier oben unendlich ist, dass hier oben so schnell kein Mensch sein wird um ihn zu vereinnahmen, keine Bagger anrollen werden um ihn zu bebauen, kein Hass so groß sein kann ihn zu zerstören. Dieser Ort hier oben bietet ein Stück Frieden, der mir unten im Tal, mit all den Menschen, der Zivilisation, in meinem Leben oft fehlt. Da ich den Berg nicht mit ins Tal nehmen kann, leihe ich mir zumindest das Gefühl von Frieden aus, speichere es ab, nehme es mit und schwöre mir immer dann wieder zukommen, wenn es leer wird und ich es aufladen möchte. Hier kann ich es.

Glenmalure Lodge

Glenmalure Lodge

Die Glenmalure Lodge ist B&B, Pub, Restaurant, Café und Treffpunkt für Wanderer, Biker sowie Einheimische zugleich. An einem sonnigen Tag wie diesem sind fast alle Tische draußen vor dem pittoresken Haus belegt, wobei ich noch ein schönes Plätzchen auf einer Bank finde. Das finale meiner Tour begieße ich mit einem kühlen, frisch gezapften Smithwick´s, so wie es sich für einen irischen Nachmittag gehört. Auch die Köstlichkeiten aus der Küche lassen meinen restlichen Tag hier mehr als gut aushalten. Neben „Homemade Chocolate Cake“ finde ich auch zwei vegetarische Gerichte auf der Karte, immerhin. Menschen kommen und gehen, sportlich auf ihrem Mountainbike oder schick für den Pub, niederländische Wandertouristen oder Einheimische mit sehr irischem Akzent.

Nicht nur die Terrasse ist ein Idyll, auch die Innenräume überzeugen mich. Gepflegt im klassisch irischen Stil, sind die Räume mit viel dunklem Holz und weichem rosa Teppich geschmückt. Mein (eigenes!) Zimmer ist für mich wie ein Belohnung nach der langen Wandertour: großes weiches Bett, eigenes Bad, Fernseher – aber noch viel besser– Blick auf die Berge. Ich genieße diesen Ort und lege fest ihn bestens ausgewählt zu haben, wenn man dem Sprichwort folgt „Man soll immer dann gehen, wenn es am Schönsten ist.“

Leistungen

  • Inhabergeführtes Bed & Breakfast
  • Kulinarisches Frühstück mit im Preis (sonst 9,50 €)
  • Lunchpakt (6,50 €)
  • Bürgerliches Essen (10 – 20 €)
  • Pub mit Livemusik
  • WLAN
  • Abholservice vom Wicklow Way
  • Transfer zum Bahnhof Rathdrum (ca. 15 €)
  • Gepäcktransport

Preise

  • Doppelzimmer: 35 – 40 €
  • Einzelzimmer: 40 – 55 €

Adresse

Glenmalure, Drumgoff
Rathdrum
County Wicklow
Tel.: +353 (0404) 46188

glenmalurelodge@yahoo.com
www.glenmalurelodge.ie

 

Daniela Klütsch

Hinter Landlinien steckt vor allem das Gesicht von mir, Daniela Klütsch. In meinem Blog Landlinien möchte ich über jene Routen berichten, die ich selber bereist habe. Den Anstoß zu diesem Blog gab mir das Buch „100 legendäre Reiserouten“ und meine Tour auf dem Jakobsweg Anfang 2009. Seitdem schreibe ich hier über das Reisen und Wandern in der Natur. Was mich neben Landlinien sonst beschäftigt, hier mehr über mich.

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