Roundwood – Glendalough (12 km)

Über den Glenmacanass River bis nach Glendalough

Die heutige Tour wird eine kurze sein. Die Steigungen an diesem Tag sind verhältnismäßig flach, das Wetter abgekühlt und mein Ziel Glendalough nur 12 Kilometer entfernt. Gründe, die mich schon am frühen Nachmittag ankommen lassen werden. Tom und ich machen uns nach dem Frühstück zusammen auf den Weg. Da er gestern schon von Roundwood bis Glendalough und zurück gelaufen ist, wird seine heutige Tour kürzer. Für den President´s Award, den er mir gestern ausführlich erklärt hat, braucht er nur noch 10 Kilometer, die er auf halber Strecke mit mir bis zur Wanderhütte Brusher Gap erreicht. Von Roundwood geht es dann später für ihn zurück nach Dublin. Mit unterschiedlich schwerer Last gepackt – ich habe das Glück, dass Sinead, die Besitzern des Skylark’s Rest Hostels, mein Gepäck auf ihrem Weg nach Glendalough mitnehmen kann – verlassen wir Roundwood über die asphaltierte Straße, an Bauernhöfen und Kuhweiden vorbei.

Vor uns steigt ein Bauer auf seinen blauen Traktor, nachdem er sein Kühe versorgt hat. „Schau mal!“ sagt Tom, „Das ist ein richtig alter Traktor, fast ein Oldtimer. Müsste Baujahr 1980 sein.“ Ich grinse: „Wenn das so ist, dann bin ich wohl auch ein Oldtimer!“ Wir lachen und kommen darüber in ein Gespräch über unser beider Leben, Tom in Irland, ich in Deutschland. Wir vergleichen wo wir beruflich beide noch hinwollen, überlegen was sich in Irland seit Eintritt in die EU verändert hat und ob Globalisierung wirklich hlifreich ist. Es tut gut in Gesellschaft zu laufen und jede noch so kleinste Entdeckung auf dem Weg mit jemanden teilen zu können, während sie, beim alleinigen laufen, verstummen würde. Fast 5 Kilometer verläuft der Wicklow Way über eine Straße. Gerade als wir den Einstieg hoch  auf den Hügel finden und Tom seine Flasche bei einer Wasserstelle auffüllt, fängt es leicht an zu regnen. Und wieder Rucksack ab, Regencap raus, Rucksack wieder hoch, wie heute schon öfter, so unterschiedlich warm und kalt war es. Als der Regen heftiger und die Sicht schlechter wird, erreichen wir noch rechtzeitig das Brusher Gap.

Das Brusher Gap ist eine Art Schutzhütte, mit Grillstelle, überdachten Schlafplätzen für etwa 4 bis 6 Leute und verschließbarer Box mit Utensilien, die Wanderer dort einander überlassen. In dieser Art gibt es noch weitere zwei Hütten auf dem Wicklow Way, Mullacore Hut kurz vor Glenmalure und Mucklagh Gap bei hinter Glenmalure. Diese Hütten werden von den Pathsavers ehrenamtlich in Stand gehalten, was man bildhaft auf flickr verfolgen kann. Es gibt sogar Wanderer, die den Wicklow Way nur über Stopps an diesen Hütten erwandern, wie mir das Fährtenbuch in der verschließbaren Box verrät. Von Australien über Norwegenbis Irland selbst, waren hier schon einige Landsmänner und – frauen unterwegs, egal zu welcher Jahreszeit. Besonders beeindruckt bin ich von Einträgen am 25. Dezember („Happy Christmas!“) oder vom März 2013, als es Irland scheinbar kräftig schneite („It snows!“). Eins haben alle gemeinsam: sie loben den Weg samt Natur in höchsten Tönen und bedanken sich ausdrücklich für den Schutz dieser Hütte.

An dieser Stelle trennen sich dann leider auch schon Toms und meine Wege. Ich weiß gar nicht ob ich mich freuen soll wieder in die Stille abzutauchen, oder nicht, so schön war es den Weg und die Eindrücke mit jemanden zu teilen. Wir tauschen Email-Adressen aus und ich verspreche ihm bescheid zu geben, sobald dieser Bericht fertig ist (was ich auch getan habe!). Aufbrechend in gegenüberliegende Richtungen, wünschen wir uns alles Gute und uns Schutz: „Take care!“. Von jetzt auf gleich wird es ruhiger, einsamer, andächtig… Ich bin wieder auf dem Weg. Nach dem durchqueren des kargen Paddock Hills, erkenne ich aus der Ferne schon Glendalough, besser gesagt den rasierten Berg mit den stoppligen Bäumen drauf. „Daran,“ hat Tom mir erklärt, „erkennst Du Glendalough, welches darunter im Tal liegt.“ Ein Blick auf die Uhr und Karte verrät, dass ich schon bald mein heutiges Endziel erreichen werde. Das bietet mir die Möglichkeit, auch mal länger an einem Ort zu verweilen und meine Pausen entspannt auszudehnen. Am Ufer des Glenmacanass Rivers geht das ganz wunderbar. Außer dem Rauschen des Bergflusses und vereinzeltem Vogelgezwitscher, höre ich hier nichts. In einer Nische des Flussufers finde ich ein beschauliches Plätzchen, das umrandet wird von großen Felssteinen und verwinkelt gewachsenen Bäumen. Mein Blick ruht gedankenlos auf dem Wasser, ich schließe kurz die Augen und lasse mich in einen kleinen Mittagsschlaf sinken. Wäre das Wetter nicht so schwül und würde es nicht soviel Mücken anziehen, würde ich hier bestimmt noch länger bleiben. Die Aussicht auf eine Dusche im Hostel und die alter Klosteranlage von Glendalough motivieren mich jedoch meinen Weg fortzusetzen.

Neugierige Rehe auf dem WegDer letzte Abschnitt beschert mir noch zwei zauberhafte Entdeckungen. Kurz hinter dem Fluss, laufe ich durch üppige Blaubeerbüsche hindurch. Und mit üppig meine ich, üppig, was ich in der Form bei Blaubeeren noch nie gesehen habe. Bisher habe ich sie nur vereinzelnd in Heidekraut wachsen sehen, aber noch nie so stringent an einem Stück. Das muss ein wahres Freudenfest sein, wenn sie im Sommer Früchte tragen. Auf meinem Weg durch den Brockagh Forest wird meine Aufmerksamkeit durch zwei Rehe geweckt. Zunächst überqueren sie den Waldweg ganz nah und gemütlich, verschwinden dann aber hastig im Gestrüpp, als sie mich erkennen. Schnell zücke ich meine Kamera und halte mit ihnen Blickkontakt. Perfekt für´s Fotos verfallen sie in eine Starre und blicken mich direkt an, minutenlang. „Schon ganz gut die Tarnung, aber ich kann Euch trotzdem sehen.“ denke ich mir, und im nächsten Moment sind sie auch schon verschwunden. Ich dann auch, aus den Bergen. Es wird lauter und geschäftiger als ich Glendalough erreiche. Nicht ohne Grund: Glendalough gehört mit zu den meistbesuchten Ausflugszielen Irlands, was ich erst später in der Zeitung lese. Und genau so ist es auch: zum Nachmittag wird es touristisch voll. Ich verdrücke mich ins Hostel, richte mich ein für die nächste drei Tage hier und erkunden diesen mystischen Ort, wenn der Großteil der Touristen wieder in ihren Bussen sitzen.

In diesem Artikel zeige ich eine Auswahl der besten Fotos der jeweiligen Tour. Alle Fotos zum Wicklow Way kann man hier bei flickr anschauen, um einen noch besseren Eindruck zu bekommen.

Glendalough Hostel

Fast schon privilegiert gelegen, befindet sich das 5 Sterne Glendalough Hostel mitten im Gelände der alten Klosteranlage. Hier ist man mitten drin und gleichzeitig ungestört für sich. Das Hostel bietet Platz für insgesamt 118 Personen. Hört sich viel an, aber das Hostel ist so groß, dass man sich nicht in die Quere kommt. Außerdem verfügt jedes Zimmer über ein eigens Bad. Beim Frühstück kann man sich von einfach über vegetarisch bis full irish entscheiden, alles frisch zubereitet vom Hostelchef. Auch das Lunchpaket wird frisch zubereitet, sogar mit Salat aus dem eigenen Garten. In der Küche kann man sich für den Abend selbst bekochen, wobei mir dieses dazu etwas zu voll war, speziell die gemeinschaftlichen Kühlschränke. Da habe ich mich lieber im Glendalough Hostel beköstigt. Nach einer langen Wanderung konnte man wunderbar den Aabend in der gemütlichen Couchecke ausklingen lassen. Für Unterhaltung sorgte dabei eines der kostenfreien Bücher aus dem Schrank, eine der zahlreichen DVDs, die man im hauseigenen Kinozimmer ansehen konnte, oder auch mal eine Unterhaltung von Pfadfinderjungs, die mich sehr zum lachen brachte. Die Crew des Glendalough Hostels war besonders zuvorkommend und hilfsbereit. Bei Fragen zum Wickloe Way konnten sie mir genau Auskunft geben und mir auch mal sagen, welche Stellen besonders schön sind und welche nicht. Auf der Basis treffe ich dann auch meine Entscheidung, wie ich den Weg weiter fortsetzen werde.

Leistungen

  • WLAN
  • Gemeinschaftsküche
  • Frühstück verschiedener Art (4 – 8 €)
  • Lunchpaket (6,50 €)
  • Lunch oder Dinner für Gruppen (auf Anfrage)
  • DVD Sammlung
  • Bücher- und Spieleecke
  • Konferenzraum
  • Waschküche und Trockenraum
  • Eigenes Bad im Zimmer
  • Kostenfreie Parkplätze
  • Geeignet für Rollstuhlfahrer

Preise

  • 6- ,8- und 10-Bettzimmer: 13,50 – 16 € (pro Person & Nacht)
  • 4-Bettzimmer: 70 – 80 € (pro Raum & Nacht)
  • Doppelzimmer: 48 € (pro Raum & Nacht)

Adresse
Glendalough International Hostel
The Lodge
Glendalough
Co Wicklow
Tel: +353 (0)404 45342

glendaloughyh@ireland.com
www.anoige.ie/hostels/glendaloch

Daniela Klütsch

Hinter Landlinien steckt vor allem das Gesicht von mir, Daniela Klütsch. In meinem Blog Landlinien möchte ich über jene Routen berichten, die ich selber bereist habe. Den Anstoß zu diesem Blog gab mir das Buch „100 legendäre Reiserouten“ und meine Tour auf dem Jakobsweg Anfang 2009. Seitdem schreibe ich hier über das Reisen und Wandern in der Natur. Was mich neben Landlinien sonst beschäftigt, hier mehr über mich.

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  1. Pingback: In den irischen Bergen von Wicklow | Landlinien

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