Urige Bergdörfer entlang der Viamala

Die Viamala-Schlucht

Südländisches Flair, frische Bergluft, Bergdörfer entlang des Flusses und Spuren einstiges Handelszeit… das macht die Viamala Region aus. In der südlichen Mitte Graubündens erstreckt sie sich die Region rund um die Orte Splügen, Andeer und Domleschg, nur einen Katzensprung über den Splügenpass nach Italien, stets vom Wasser des Hinterrheins begleitet, geprägt von den Siedlungen der Walser. Einst führte entlang der Viamala einer der wichtigsten Handelsrouten von Nord nach Süd und umgekehrt. Noch heute kann man Spuren dieser Zeit in den Bergdörfern, ihren besonderen Bauten und den Geschichten dahinter erkennen.

Die Viamala Region

Besonders für den Handel ist sie bekannt, die Viamala Region. Aber auch andere Besonderheiten lassen sich hier auf den zweiten Blick entdecken. Ich wusste zum Beispiel nicht, dass hier tief im Rheinwald eine der beiden Quellen des 1230 km langen Rheins entspringt. Die Region ist vor allem durch viele kleine, authentische Bergdörfer geprägt, in denen die Menschen und ihre Geschichten individuell und eigen sind. Besonders gezeichnet sind sie durch die Besiedlung der Walser, die im 13. Jahrhundert erstmalig über den San Bernadino ins Tal bei Splügen einwanderten. So gilt das Rheinwald auch als älteste nachweisbare Walserkolonie in Graubünden. Mit der alemannischen Sprache, brachten die Walser auch Bräuche (wie den Fastnachtsbrauch) und ihren eigenen Baustil mit, was noch heute an den alten Walserhäusern zu erkennen ist.

Karte: Viamala Region (© www.viamala.ch)

Splügen, ein typisches Passdorf

Auf 1457 Metern über dem Meer und am Fusse des San Bernadino und Splügenpasses, liegt das für die Region typischste Passdorf Splügen. Zusammen mit Dörfern wie Sufers, Medels und Nufenen, gehört Graubündens ältestes Passdorf mit zum Rheinwald, der obersten Stufe des Hinterrheins. Lange vor der Eröffnung des San Bernadino und Gotthardtunnels, galt der Splügenpass als einzige und direkte Route Richtung Süden. Dieser vergangene Transitverkehr über die Alpen hat auch das Bild des Bergdorfes geprägt, so entdecke ich auf meinem Rundgang durch Splügen alte Lagerhäuser, Transportwege und Zollstationen. Damals wie heute beherbergt das Hotel Bodenhaus Gäste, die auf ihrer Durchreise in Splügen eine Pause einlegen. Auch Prominente aus Politik, Wissenschaft und Kultur zählen zu ihnen, wie Königin Victoria, Kaiser Napoleon III., Friedrich Nietzsche, Albert Einstein Theodor Fontane und William Turner, um nur einige wenige zu nennen. Heutzutage kann man im Hotel Bodenhaus im Sommer wie auch Winter luxuriös und authentisch wohnen, sich von Speisen und Weinen aus der Region verwöhnen und den Flair alter Zeiten aufleben lassen. Es lohnt sich also bewusst in Splügen Halt zu machen und eine Weile zu bleiben.

Handelsroute über die Alpen

Erste Belege für den durchgehenden Warenverkehr über die beiden Rheinwalder Pässe, den Splügenpass und den San Bernadino, wurden im 13. Jahrhundert verzeichnet. Waren wie Baumwolle, Seide, Früchte und Seife wurden von Süden nach Norden transportiert. Leinwände, Baumwolldrucke , Wachs und Sensen in die entgegengesetzte Richtung. Mit dem Ausbau des Saumwegs durch die Viamala Schlucht im Jahr 1473 erlebte der Transport seine Blütezeit. Von da an konnte die Route von Chur (Schweiz) bis nach Ciavenna oder Bellinzona (Italien) mit Pferden und mehr Last bestritten werden. Fortan entwickelte sich die Viamala zu einer „Landlinie“ von Nord nach Süd über die Alpen für Händler aber auch Flüchtlinge, Geistliche, Familien und Pilger. Auf den Spuren der 2000jährigen Transitgeschichte kann man heute noch auf der ViaSpluga wandern, einem 65 km langen Fernweg von Thusis nach Chiavenna. Durch die beeindruckende Viamala-Schlucht vorbei am idyllischen Bergdorf Zillis geht es über den historischen Saumpfad bis auf 2115 Höhenmeter. Für nächstes Jahr bei mir definitiv auf der Reiseliste!

Geschichte erleben in der Casa Storica

Niemand besser kann die Historie und geheimnisvollen Geschichten rund um die ViaSpluga erzählen und inszenieren als Erwin Dirnberger. Seine Casa Storica in Andeer ist ein lebendiges Heimatmuseum und Zuhause damaliger Zeiten. In dessen Räumen beherbergt er gesammelte Schätze alter Zeiten, meist aus privatem Familienbesitz. Altes Transportgut wie Fässer, Koffer und Werkzeug der Kutscher, über historische Handelsbriefe und Postkarten, bis hin zu Festtagskleidung und alten Reiseführern veranschaulichen wie das Leben rund um die Handeslroute Annodazumal gewesen sein muss. Als Besucher der Casa Storica betrachtet man die Gegenstände nicht einfach nur still und kommentarlos, sondern lässt sich zum Leben erwecken durch die Inszenierung Erwin Dirnbergers. Je nach Gast, Interesse oder Anfrage, bereitet der einheimische Lehrer eine Führung durch die Geschichte thematisch auf. Jeder der Räume wird dabei zu einer anderen Bühne, so dass man als Zuschauer für einen Moment eintauchen und Teil der Vergangenheit werden kann. Erwins Worte sind bewusst ausgewählt, die Szenen eindringlich und seine Worte gar poetisch. Ein Erlebnis, das man sich keinesfalls entgehen lassen sollte und das es sich lohnt zu erhalten. Ein weiteres Highlight seines Repertoires: die Viamala Notte, eine 90-minütige Führung durch die Viamala-Schlucht bei Nacht.

Die Viamala-Schlucht

Die Viamala-Schlucht ist so ein Ort, an dem man mit offenen Mund steht und die Natur für ihre Kraft bewundert.  Bis zu 300 Meter steile Felswände, rauschend türkisfarbenes Wasser in der Tiefe und wenige Sonne zwischen den Felsspalten. Kaum zu glauben, dass hier einst Händler mit ihren Pferden Waren von Nord nach Süd und zurück transportiert haben, zumal es vor 500 Jahren selbstverständlich noch keine festen Strassen so wie heute gab. Sprich, die damaligen Wege schlängelten sich entlang der Felswände, kaum mehr als einen Meter breit und erschreckend steil. Kein Wunder, dass diese Handelsroute den Namen „Via Mala“ (= der schlechte Weg) trägt. Wenn man genau hinschaut, kann man heute noch Eckpunkte einstiger Wege erkennen. Um die Viamala-Schlucht zu erkunden, lohnt sich eine Anreise per Bus (von Thusis oder Zilles aus), so dass man nicht in Gedränge kommt den Parkplatz nach einer Zeit wieder frei machen zu müssen. Außerdem ist es in der früh und am Abend weniger voll als tagsüber. Vom Besucherzentrum am Parkplatz führen 321 Treppen hinab in die Tiefe. Plateaus und ausgebaute Wege laden zum innehalten und staunen ein, so kann man hier alleine durch das beobachten des Ortes schon ausreichend Zeit verbringen. Außerdem lohnt sich eine Führung durch die Schlucht,  ob bei Tag oder Nacht, um die Besonderheit dieses Ortes besser zu verstehen und Anekdoten zu erfahren.

Meine Empfehlungen rund um die Viamala

Mehr über die Hintergründe Graubündens

Diese organisierte Reise durch Graubünden führt mich durch kleine und besondere Bergdörfer. Hier komme ich mit Menschen in Kontakt, die ich sonst nie kennengelernt hätte, wie den Schafsbauern Koni Adank oder den Senner Andreas Kaufmann. Die Begegnung mit ihnen und ihre persönlichen Geschichten sind für mich ein Zeichen dafür, wie besonders und ursprünglich Graubünden und somit die Schweiz sein kann. Im Nachgang meiner Reise ist eine 3-teilige Serie mit folgenden Berichten (bisher) entstanden, in der ich vor allem über Menschen, Traditionen und die Region Prättigau schreibe:

  1. Das Prättigau: hügelig sanft und alpin wild
  2. Das traditionelle Prättigauer Alp Spektakel
  3. Urige Bergdörfer entlang der Viamala

 

Alle Fotos der Tour habe ich auch hier zusammengestellt:
Fotoalbum „Bergdörfer in Graubünden (Schweiz)“ bei flickr

 

Logo GraubündenVielen Dank an den Tourismusverband Graubünden für die Einladung zu dieser eindrucksvolle Reise durch die kleinen und feinen Bergdörfer!

Daniela Klütsch

Hinter Landlinien steckt vor allem das Gesicht von mir, Daniela Klütsch. In meinem Blog Landlinien möchte ich über jene Routen berichten, die ich selber bereist habe. Den Anstoß zu diesem Blog gab mir das Buch „100 legendäre Reiserouten“ und meine Tour auf dem Jakobsweg Anfang 2009. Seitdem schreibe ich hier über das Reisen und Wandern in der Natur. Was mich neben Landlinien sonst beschäftigt, hier mehr über mich.

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