Tag 01 – Durchkreuzte Planung

Willkommen in España!

Busstation „Méndez Álvaro“: irgendwo im Süden von Madrid, irgendwo zwischen Flughafen und unserem Routenstartpunkt. Der noch in weiter Ferne liegt. Wie so scheinbar alles hier… wir liegen voll neben der Zeit! Mein gestern präzise ausgearbeiteter Zeitplan ist völlig unbrauchbar… 14.40 Uhr Ankunft in Madrid – stimmt noch. Nerviges Warten am Gepäckband auf unsere sorgfältig in Plastikfolie eingepackten Rucksäcke – dauert 30 Minuten. Ok, schnell zur Metro und in 15 Minuten (meine Google-Maps-Routen-Schätzung) zur Busstation, dann kriegen wir noch den Bus um 15.30 Uhr zum Zielort „Cáceres“. 15 Minuten für 14 Stationen mit 1mal umsteigen? Was hab ich denn da ausgerechnet? Insgesamt 1 Stunde trifft es dann doch besser – Zeitplan voll daneben. Egal. Wenn wir den Bus um 16.30 Uhr nehmen kommen wir zwar erst um 20.15 Uhr in Cáceres an, aber das lässt ja noch genug Zeit für Essen gehen und Zimmer suchen.

Am Ticketschalter werden wir dann eines Besseren belehrt. Zunächst einmal wir Cáceres ja wohl auf der ersten Silbe betont! Cá-ceres! Viermal wiederholt der so freundliche Senor hinter dem Sichtfenster “ Cá-ceres“, bis er unsere minderen Nachsprechversuche leid ist und uns grummelt zum Ticketschalter 38-41 schickt. Auf spanisch versteht sich. Wir sind hier ja wohl nicht in Großbritannien! Höchstmotiviert und begeistert von uns Nicht-Spanisch-Sprechenden-Touri-Pilgern, macht uns der nächste Senor am Ticketschalter erstmal klar, dass der nächste Bus nach Cáceres erst um 18.30 Uhr losfährt und dann um 23.15 Uhr dort ist. Watt? Was soll denn das? Ich hab doch extra alles gestern im Internet recherchiert und da hieß es, es fährt jede Stunde ein Bus. Und warum überhaupt dauert die Fahrt fast 5 Stunden? Dann kriegen wir keine Zimmer mehr! Wer soll denn dann noch offen haben? Schließlich ist es doch Karfreitag! Und wo und wann sollen wir bitten dann noch was essen? Bringt nichts. Tickets liegen vor uns. Das soll jetzt so sein. Ich muss jetzt was essen, sonst werde ich heute noch verhungern! Wer weiß wann es wieder was gibt bei der langen Fahrt und der späten Ankunft und überhaupt.

So, ein Toast mit Tomaten und Mozarella überbacken, ein halbes Sandwich mit Huhn und Currysauce, ein halbes Sandwich mit Gemüse, ein süßes Gebäck, Wasser dazu… fürs erste bin ich satt. Gleich sollte ich mir noch ein Sandwich auf Reserve holen für die Busfahrt. Als Abendessen quasi.
So, was machen wir nun? Den Vorschlag einfach mal so nach Cáceres zu fahren und zu gucken wo wir spontan unterkommen find ich total unpassend. Das kann ja nichts geben! Wir werden jetzt akribisch alles Hotels, die wir natürlich als Liste vorliegen haben, durchtelefonieren und uns ein Zimmer reservieren. Dann haben wir auch direkt eine Adresse für den Taxifahrer, wenn wir angekommen. Ich geh keinen Meter mehr um 23.15 Uhr! Ok, Liste durchtelefonieren. Wie reserviert man auf Spanisch? Was weiß ich denn? Die werden ja wohl englisch sprechen in den Hotels. Meine Aufregung wird nicht verstanden: „Wow, jetzt sind wir endlich in Spanien. Und die Sonne scheint!“ Mir egal: ich brauch erst ein Zimmer und Proviant bis ich wieder lachen kann.

„Hello, my name is Daniela Kluetsch. Do you speak english?“ Spanisch- Kauderwelsch-Bla-Bla-No-No-Completo! Ein Wort mit dem wir es in den nächsten 10 Tagen noch oft zu tun haben werden: Completo = Ausgebucht. Na toll, das kann ja wohl echt nicht sein, dass von acht möglichen Hotels acht completo sind. Ich seh es schon kommen: wir müssen draußen schlafen. Ohne Isomatte auf einem harten Betonparkplatz, zwischen Mülltonnen und parkenden Autos. Gleich erfrieren am ersten Tag und mit Grippe wieder nach Hause fliegen!

Meine Stimmung ist frostig, auf dem Nullpunkt. Ich quetsche mir ein Lächeln aus meinem verspannten Gesicht um total relaxt zu wirken, wie ein richtiger Outdoor-Liebhaber-Profi eben. Eine Nacht im Freien kriegt mich ja wohl nicht klein! „Danni, das ist ein richtiges Abenteuer! Unsere Globetrotterwelt!“ Da bin ich ja begeistert…

Meckern nützt nichts. Ich schweige in mich rein. Eine Ration Essen aus dem Kiosk (Baguette, Salami am Stück, Schmierkäse, Schokoriegel, 2 Äpfel) beruhigen meine Nerven. Auf geht die Busfahrt durchs Irgendwo. Zwei laut singende Teenager-Spanierinnen direkt hinter uns halten uns die Fahrt über wach. Musik über Kopfhörer im Ohr und dabei mitsingen. Hörbar trotz Ohropax! Laut, penetrant, eingebildet. Ich will endlich laufen und meine Ruhe, verdammt noch mal!

Daniela Klütsch

Hinter Landlinien steckt vor allem das Gesicht von mir, Daniela Klütsch. In meinem Blog Landlinien möchte ich über jene Routen berichten, die ich selber bereist habe. Den Anstoß zu diesem Blog gab mir das Buch „100 legendäre Reiserouten“ und meine Tour auf dem Jakobsweg Anfang 2009. Seitdem schreibe ich hier über das Reisen und Wandern in der Natur. Was mich neben Landlinien sonst beschäftigt, hier mehr über mich.

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