Wochenendausflug in die „goldene Stadt“

Ein kulinarischer Tag in Prag

Nachdem wir eine wunderschöne Woche im Bayerischen Wald auf der Heuhofer Mühle, einem zum Ferienhof ausgebautem alten Bauernhof, verbracht haben und dort viel gewandert sind, fahren wir jetzt noch mal für 3 Tage weiter nach Prag. Ich war als Kind mit 6 oder 7 Jahren schon einmal mit meinen Eltern in Prag, aber ich kann mich kaum daran erinnern, und ich fand Städtereisen als Kind auch immer langweilig, da ich in diesem Alter noch keine wirkliche Begeisterung für Kultur, Architektur und urbane Atmosphäre aufbringen konnte. Müsste ich heute eine Liste mit meinen 5 beeindruckendsten Städten erstellen, wäre Prag definitiv dabei. Prag ist fast schon übertrieben kitschig schön mit seiner prachtvollen Architektur, seinen aufpolierten gut erhaltenen Fassaden, seiner Altstadt mit unzähligen verwinkelten Gassen mit vielen kleinen Cafes und Bars, der mitten durch die Stadt mäandernden Moldau und dem einzigartigen Blick über die Stadt vom Berg Petřín aus.

Wir mieten uns über Airbnb eine gemütliche Wohnung im Stadtteil Žižkov unweit vom Fernsehturm und mit der Tram und Metro gut angebunden, um schnell in alle Teile der Stadt zu gelangen. Von hier aus kann man auch leicht zum Park Riegrovy sady oder in die Prager Altstadt laufen.

Die "goldene Stadt" Prag

Ein Stadtplan mit kulinarischen Hotspots

Für das einfachere Auffinden von kulinarischen Highlights haben wir uns vorab für 5€ die Foodie Map von Taste of Prague besorgt, eine virtuelle Stadtkarte auf der interessante, Märkte, Lebensmittelgeschäfte, Restaurants und Bars aufgeführt sind. Wir laden uns vor unserer Reise ganz easy das PDF mit allen Stationen und Verlinkung zu GoogleMaps runter, hätten die Map aber auch in Form einer Broschüre direkt in Prag kaufen können. Gelistet ist hier auch ein sehr interessanter Bauernmarkt in Žižkov direkt bei unserer Unterkunft um die Ecke, der samstags stattfinden soll, allerdings wie wir leider feststellen mussten nicht im Winter. Schade, aber wir wollen eh im Sommer nochmal wiederkommen.

Kulinarisch unterwegs: „Prag an einem Tag“

Nach langem Studieren der Food Map und der von uns favorisierten Cafés, Restaurants und Bars, stellen wir eine Rundtour durch Prag zusammen, die alleine dem Genuss folgt… und genießen kann man in Prag ausgezeichnet. Das fängt schon beim Frühstück an: die Kaffeekultur ist hier längst angekommen. Manchmal hat man das Gefühl sie wurde hier nahezu geboren. Neben den einzelnen Stationen der FoodMap empfehlen die Autoren auch eigene Routen oder besondere Hotspots z.B. um den Tag zu starten. Wir lassen uns inspirieren und folgen dann nur noch GoogleMaps und unserem Appetit. Hier unsere drei leckersten Entdeckungen:

Italienische Feinkost in Žižkov

Ein kulinarischer Tag in Prag

Ein erstes wunderschönes italienisches Restaurant finden wir ein paar Straßen von unserer Unterkunft entfernt. Das „La Bottega“ verbindet Restaurant mit Feinkostladen. Man kann hier unter Anderem frische Pasta, verschiedene Käse- und Schinkensorten, Antipasti, Süßgebäck, Gewürze, Öle, Balsamicos und vieles mehr an der Theke kaufen, oder an einem der Tische Platz nehmen und bei einem guten Rotwein das Abendmenü genießen. Der Laden wirkt rustikal eingerichtet, in vielen Regalen werden Köstlichkeiten zum Verkauf angeboten und es duftet nach vielen unterschiedlichen Aromen. Wir stellen uns ein üppiges Abendessen aus der Theke zusammen und lassen es uns am Tisch servieren. Es schmeckt himmlisch und am Ende sind wir pappsatt. Zeit für einen Absacker.

La Bottega
www.gastronomica.cz

Cocktails schlürfen in der Fernsehturm-Bar

Ein kulinarischer Tag in Prag

Eine atemberaubende Sicht über die Stadt hat man nicht nur vom Petřín aus, sondern auch vom Prager Fernsehturm aus, wo wir nach dem köstlichen Abendmahl bei einem Drink in der Bar auf 63m Höhe den Abend ausklingen lassen wollen. Der insgesamt 258m hohe Turm soll das zweithässlichste Gebäude der Welt sein. Und in der tat besitzt der Turm eine sehr eigenwillige Architektur. Er besteht aus mehreren Säulen, an denen Babyskulpturen entlang kriechen. Neben der Bar, in der an dem Abend, an dem wir dort sind, Livemusik gespielt wird, befindet sich noch ein Restaurant auf der ersten Ebene, In 95m gibt es noch eine verglaste Aussichtsplattform. Wir genießen die Aussicht über Prag bei Nacht mit ein paar leckeren Cocktails.

Tower Park Praha
www.towerpark.cz

Vietnamesisch schlemmen in Florenc

Ein weiteres sehr empfehlenswertes Restaurant finden wir in Florenc im Osten der Altstadt unweit der Moldau. Das Remember ist ein kleines etwas beengtes Restaurant mit tiefen Decken und bietet typisch vietnamesische Cuisine in bester Qualität. Nach unserer langen Wanderung durch die Stadt sind wir ziemlich geschafft und hungrig und freuen uns über das ausgezeichnete Essen. Bei Tripadvisor wird es als das beste Vietnamesische Restaurant Prags gelistet. Wir haben die anderen nicht ausprobiert, verleihen dem Remember aber dennoch unser persönliches Prädikat „großartig“. Nicht nur wegen der leckeren Küche, sondern wohl auch wegen der günstigen Preise ist der Laden bis auf den letzten Tisch belegt.

Remember Vietnamese Food
www.remembervietnam.cz

Unsere persönlichen Tipps

In Tschechien kann man zwar so ziemlich überall mit Euros bezahlen, aber die Landeswährung ist die Krone. Es lohnt sich, das Geld in Kronen umzutauschen, da man immer etwas günstiger fährt, als wenn man mit Euros bezahlt. Die Geschäfte und Restaurants runden für sich selbst großzügig auf. Allerdings muss man bei den Wechselstuben besonders in der Altstadt darauf achten, dass keine Wechselgebühr verlangt wird, die bei den meisten Schaltern bei ca. 20% liegt. Viele Wechselstuben werben damit, keine Gebühren zu verlangen. Einfach die Augen offen halten.

Wenn man wie wir in kurzer Zeit möglichst viel sehen möchte, empfiehlt es sich, eine Tageskarte für die öffentlichen Verkehrsmittel zu kaufen. Die hat man mit 3 Fahrten bereits wieder raus.

Unserer weiteren Highlights

Neben den vielen Leckereien ist Prag natürlich architektonisch und kulturell ein Traum. Auf unserem Spaziergang zwischen Frühstück hier und Kaffee dort, wandeln wir durch die Stadt wie durch eine Filmkulisse. Die Altbauten jeglicher Epoche sind so wunderbar erhalten, dass Fotos der Gebäude zeitlos werden. Die Karlsbrücke ist natürlich berüchtigt und beeindruckend, allerdings – besonders tagsüber – voll. Es lohnt sich daher auch die kleinen Randbezirke, wie unser Wohnort Žižkov, zu erkunden. Auch hierzu finden wir wertvolle Tipps in der Foodie Map und entdecken so die wunderschöne Festung samt verwunschenen Friedhof Vyšehrad im Süden der Stadt. Vielleicht wäre uns dieser sonst entgangen. Also: lohnt sich allemal!

Besser nicht!

Was uns in Prag leider nicht gefallen hat, ist der ganze Nepp und die Touristenabzocke bei den bekannteren Sehenswürdigkeiten. So zum Beispiel die Bibliothek des Kloster Strahov. Hier zahlt man umgerechnet etwa 10€ Eintritt pro Person und nochmal 5€ für eine Erlaubnis, um Fotos zu machen. Leider kann man die Bibliothek, die unbestritten sehr beeindruckend ist, nicht betreten, sondern nur kurz durch zwei Türrahmen hindurch in sie hineinsehen. Hinter einem wartet eine lange Schlange, um ebenso einen kurzen Blick zu erhaschen und 2-3 Schnappschüsse mit der Kamera zu machen. Man fühlt sich dadurch auch gedrängt, bloß nicht allzu lange dort stehen zu bleiben. Auch die anderen Bereiche des Klosters sind maßlos überteuert und das Geld nicht wert. Auch die Geschäfte rund herum um das Kloster und den Palast haben unfreundliches Personal und astronomische Preise. Auch die Straßen sind mit Menschen überfüllt. Hier merkt man sehr gut, dass Prag einfach auch eine übersättigte Touristenstadt ist. Man entdeckt es besser und entspannter etwas abseits der ausgetretenen Pfade.

Fazit: Unterm Strich bleibt aber, dass Prag eine der wunderschönsten Städte ist, die wir bisher besucht haben. Wir möchten Prag unbedingt nochmal im Frühling und/oder Sommer erleben und werden auf jeden Fall wiederkommen!

Nick Reiter

Thailand hat es Nick Reiter besonders angetan. Bereits 4mal in Folge bereiste er dieses Land in den letzten 5 Jahren. Auf der Suche nach besonderen Abenteuern kommt er auf seinen Reisen schnell mit Einheimischen in Kontakt und erlebt Kultur & Kulinarik abseits vom Touristenstrom.

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